Istrien und Dalmatien

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Re: Istrien und Dalmatien

Beitragvon bejar am Sa 11. Feb 2012, 13:03

Netter Bericht :liebe: Und die Landschaft sowieso. Dein namenloser Pass war wohl dieser.
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Re: Istrien und Dalmatien

Beitragvon Falcon am Sa 11. Feb 2012, 13:14

10. Tag

Die Dame des Hauses hat sich mittlerweile ihrem Schicksal mit dem Wäscheberg ergeben und gibt mir versöhnlich für die weitere Reise eine dicke fette Weintraube aus Ihrem Garten mit auf den Weg, die ich dankbar entgegennehme.
Heute steht zur Abwechslung etwas Kultur auf dem Programm. Der Weg nach Trogir ist hügelig und unspektakulär. Erst das letzte Stück bietet wieder mal einen tollen Blick über die dalmatinische Küste mit den ganzen Buchten, Inseln und Halbinseln.
Trogir: einer der wenigen Orte, der sich sein mittelalterliches Stadtbild bewahrt hat, mit einem Gewirr aus engen Gassen und schiefen Häusern. Die Touristen sind zahlreich erschienen und krabbeln durch die Altstadt, aber an einigen Stellen findet man noch ein ruhiges Plätzchen und fühlt sich um Jahrhunderte versetzt. Fantastisch! Ich lasse mich hier gern durch die Zeit trudeln.
Ich radle weiter gen Split, das auf eine Halbinsel liegt und von hier aus keinen schönen Anblick bietet, denn die Stadt scheint nur aus Plattenbauten zu bestehen. Die Durchfahrt ist auch enstsprechende hässlich, erst ein Industriegebiet, dann scheinbar endlose Plattenbausiedlungen und dazu kommt natürlich kräftiger Verkehr. Ich mache, dass ich schnell zum Hafen komme und diesen freudlosen Ort verlasse. Ich schiffe mich ein, um dem Trubel auf dem Festland zu entfliehen. Von der Seeseite sieht man noch einen hübschen Turm aus dem Häuermeer von Split ragen, aber sonst bin ich froh, diese Stadt hinter mich zu lassen. Die Fähre bringt mich nach Sanpetar auf der Insel Brač. Es ist ein hübscher Ort, der hauptsächlich von Touristen lebt und mir wird gleich, kaum dass ich wieder festen Boden betreten habe, ein Zimmer angeboten. Und da kein anderer Wanderer des Weges kommt, habe ich wieder eine ganze Ferienwohnung für mich allein. Es wird die schönste, größte und, was ich immer noch nicht verstehen kann, gleichzeitig mit 15 € auch die billigste Unterkunft auf meiner Reise sein. Die Besitzerin möchte alles „hübsch“ machen, was ihr mit all den Pflanzen im Innenhof des Hauses auch gelungen ist. Etwas zum Schmunzeln finde ich dagegen die Ausgestaltung in den Zimmern. Meine Ferienwohnug steht offenbar unter dem Motto „Fische“, die man überall findet: als Holzschnitzerei am Schrank, aus Keramik an den Küchenfliesen, die Tür zum Bad ziert ein naives Bild mit Boot und Fischen und selbst an der Gardinenstange hängt ein Stofftier-Fisch.

Die Strecke:
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=hfn ... =trackList
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Krpanj
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Blick auf Trogir
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Trogir 2
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Trogir
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hier geht's in's Bad
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Abend
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Re: Istrien und Dalmatien

Beitragvon Uhle am Sa 11. Feb 2012, 13:18

Frank :hut: :daumen:
Warte dringend auf die Fortsetzung ;)
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Re: Istrien und Dalmatien

Beitragvon Falcon am Sa 11. Feb 2012, 13:23

bejar hat geschrieben:Dein namenloser Pass war wohl dieser.


Ja, Oltari, das ist er!
Aber:
"Vielleicht aus Mangel an Vorstellungskraft trägt dieser Pass den gleichen Namen wie das Dorf Oltari, obwohl Oltari nicht die dem Pass nächstgelegene Ortschaft ist." ;)
Und
"Genau wie bei der Auffahrt zur Banska Vrata im Norden verschandelt auch oberhalb von Sveti Juraj eine Müllkippe die Landschaft."
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05 Müllkippe.jpg
Müllkippe
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Re: Istrien und Dalmatien

Beitragvon Falcon am Sa 11. Feb 2012, 13:32

11. Tag Noch 'ne Insel

Morgens werde ich vor der Abfahrt etwas neidvoll von der Hausbesitzerin und besonders ihrer Freundin („sie ist etwas verrückt“ versicherte mir die Hausbesitzerin hinter vorgehaltener Hand) bestaunt: Wie oft trainierst Du, um diese Tour zu fahren und diese Körpermaße zu bekommen usw.
Heute will ich es etwas ruhig angehen und werde nur die Insel Brač überqueren. Gemütlich hügle ich an der Küste entlang zahlreicher traumhafter Buchten und kleine Dörfern bis Pučišca. Dort kräftige ich mich einer kleinen Mole am einem Fjord für den kommenden Hügel. Und das Ding ist nicht wirklich erholsam. So ca. 400 Höhenmeter wollen am Stück bezwungen werden. Die „verrückte Freundin“ rief mir heute früh hinterher, dass Brač die Insel mit den höchsten Bergen ist. Wie hoch genau, wusste sie zwar nicht, aber bis nach Italien könne man wohl von da oben sehen. Nun, den höchsten Berg wollte ich nicht bezwingen, waharscheinlich führt da eh nur ein staubiger Feldweg hoch, aber es ist schon beachtlich, wie die Insel aus dem Meer steigt. Die Sonne heizte wie die Tage zuvor und in dem Anstieg floss der Schweiß wieder mal in Strömen. Doch die Belastung war ich nun langsam gewohnt. Bergauf kam ich noch an zwei Mädels vorbei - ich traute ja meinen Augen kaum – die ebenfalls tapfer mit etwas Gepäck auf’m Rad unterwegs waren. Eine lange, lange Abfahrt brachte mich an das Ende von Brač nach Šumartin. Die Wartezeit auf die nächste Fähre konnte ich mit Eis aus dem deutlich gekühlten Tante-Emma-Laden überbrücken.Die Überfahrt auf das Festland war dann sehr beeindruckend. Langsam schob sich das Biokovo-Gebirge, das unvermittelt steil praktisch aus dem Meer gewachsen scheint, näher. Am Meeresufer liegt die Stadt Makarska und über ihr trohnen die Gipfel, von denen einige über 1500 m hoch sind. Ein unglaubliches Massiv, nur karg bewachsen. Nach dem Anlegen am Kai schlendere ich noch etwas ziellos durch die Straßen, da spricht mich schon jemand an, ob ich nicht ein Zimmer suche. Ja, und so fahre ich wieder mal einem Moped hinterher. Das funktioniert erst ganz gut und so fummeln wir uns durch die engen Gassen der Altstadt. Die weiteren Meter werden dann merklich steiler und steiler und ich muss reißen lassen. Aber da sind wir auch schon da: ein Mehrfamilienhaus, dass überwiegend zur Vermietung benutzt wird. „You are a strong man“ sagt Damir, der Hausherr, zu mir und versorgt mich sehr freundlich mit allen möglichen Informationsmaterial der näheren Umgebung. Das Angebot für eine weitere Übernachtung muss ich dann aber ausschlagen. Abends streusle ich noch durch Makarska. Landschaftlich ist es sehr schön gelegen, am Ufer gibt es leider ein paar größere Hotelbauten und der Massentourismus versucht in unschöner Weise hier vorzudringen.

Die Strecke:
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=kbc ... =trackList
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Schöne Bucht Nr. 7293
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auch Mädchen können sich quälen!
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Fähre nach Makarska
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Makarska
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Re: Istrien und Dalmatien

Beitragvon Falcon am Sa 11. Feb 2012, 13:44

12. Tag

Heute muss es noch mal ein Pass sein, denn die Küstenstraße ist für mich keine Alternative. So beginnt praktisch schon früh in der Stadt ein sehr langer aber sehr moderater Anstieg. Das Biokovo Gebirge ist praktisch unübewindbar und so führt die Straße ins Landesinnere viele Kilometer unweit der Küste entlang und mogelt sich so langsam nach oben. Herrliche Ausblicke auf die Küste, das Meer und die umliegenden Inseln sind der Lohn für die Mühen. Dann kommt der Abzweig bei dem eine kleine Straße auf den Gipfel der höchsten Berges Sveti Jure (1762 m) führt. Ich habe kein schlechtes Gewissen, heute hier vorbeizufahren. Beim nächsten Mal, wenn ich ohne Gepäck unterwegs sein sollte, kommt dieser Berg unter die Räder (ist außerdem bloß eine Sackgasse, die mich heute nicht weiter voran bringt). Irgendwann steht ein Tunnel im Weg. Der ist noch nicht ganz fertig gebaut und deswegen in meiner Karte nicht eingezeichnet. Und dummerweise wird meine Befürchtung bestätigt: für Radfahrer gesperrt. Ich checke die Lage: Der Tunneldurchfahrt ist per Ampel geregelt und jeweils nur für eine Fahrtrichtung freigegeben; ca. 5 Autos pro Grünphase – das Risiko scheint mir überschaubar. Am Anfang weiß ich zwar nicht, wie lang das Ding ist, aber ich komme zum Glück in meiner Grünphase durch den Tunnel durch, ohne auf Gegenverkehr zu treffen. Danach kommt gleich die dramatischsten Stelle: linker Hand steht der Fels und rechter Hand geht es ca. 200-300 Meter teilweise nur durch klapprige Leitplanken „gesichert“ fast senkrecht nach unten Richtung Küste - Olè! Die Straße führt weiter durch eine nahezu unbesiedelte Region noch etwas bergan bis auf fast 600 m und hügelt sich dann wieder langsam bergab. Ein paar Kilometer weiter komme ich durch eine sehr ungewöhnliche ca. 10 km lange Ebene: total flach. Die Hitze steht hier regungslos durch die umgebenden Hügel. Hinter dem nächsten Hügel liegt dann Ploče, eine ziemlich häßliche Stadt mit vielen Betonblöcken und Industrie. Für mich nur der Abfahrstort der nächsten Fähre. Ich setze auf die Halbinsel Pelješac über. Dort finde ich im kleinen Fährort Trpanj eine tolle Ferienwohnung zum moderaten Preis.

Die Strecke:
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=qkx ... =trackList
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10 Biokovo.jpg
im Biokovo
10 nach unten.jpg
Ausblick
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Biokovo, einsam
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Ploce
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Re: Istrien und Dalmatien

Beitragvon Falcon am Sa 11. Feb 2012, 13:50

13. Tag Das Ende Kroatiens

Das südliche Ende der Tour ist in greifbarer Nähe und die Laune entsprechend gut. Aber über 100 km und etliche Hügel stehen heute noch auf dem Programm. Gleich nach dem Ortsausgang geht es langsam aber ständig bergauf, die lange Halbinsel Pelješac ist wie die anderen Inseln auch ein sehr hügeliges Gebiet. Hier wird vor allem Wein angebaut. Aufgrund der wieder mal recht hohen Temperaturen und des restlichen Tagespensums verkneife ich es mir aber, in einer der zahlreichen Wirtschaften den vergorenen Traubensaft zu probieren. Unterweg in Ston halte ich an der weltweit längsten noch erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer (so wirbt zumindest die Gemeinde um Besucher), die als Schutz vor den Türken erbaut wurde. Das ist wirklich ein sehr stattliches Ding und führt sogar über einen Berg und umschließt zwei Ortsteile, die ein paar Kilometer auseinander liegen. Ein massives Teil, das den meisten Erdbeben stand gehalten hat. Weiter geht es zurück auf das Festland und da ich die mir wohl bekannte Küstenstraße wieder meiden möchte, geht es mal wieder zum spielen in die küstennahen Hügel. Die Landschaft ist hier unten mittlerweile recht vegetationsarm und kahl, als Mitteleuropäer könnte man Halbwüste dazu sagen. Die letzten anstrengenden Hügel überwinde ich mühevoll aber doch schon wohl trainiert. Und zu guter letzt geht es nicht mehr anders und ich muss ca. 15 km wieder auf die Küstenstraße. Der Vekehr lebt wieder auf, aber es bleibt ausreichend Platz für mich auf der Straße übrig. Und dann stehe ich vor dem Ortseingangsschild „Dubrovnik“ und bestaune die Brücke, die sich kühn über den Fjord zum Hafenviertel schwingt. Nur ein paar hundert Meter nach der Brücke werde ich vom Straßenrand angesprochen, ob ich den nicht eine Bleibe suche. Das klappt ja wieder mal prima, nur die letzen Meter bis zum Haus bestehen aus einem mörderisch steilenAnstieg, da geht nix mehr. Und so finde ich bei einem sehr netten älteren Ehepaar eine recht einfache Unterkunft mit einem tollen Blick über den Hafen und die neueren Stadtteile von von Dubrovnik.

Die Strecke:
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=rug ... =trackList
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die große kroatische Mauer
11 gnadenlos bei 30°C.jpg
gnadenlos bei über 30°C
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rechts ab!
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Ziel Dubrovnik
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Re: Istrien und Dalmatien

Beitragvon Falcon am Sa 11. Feb 2012, 13:54

14. Tag Dubrovnik

So ein bißchen habe ich schon von der Altstadt mal was gehört, aber was ich dann sehe ist dann sehr überwältigend: fast wie ein Märchen aus den vergangenen Jahrhunderten stehen die Häuser, Palaste, Kirchen, Moscheen, ein kleine jüdisches Viertel mit Synagoge eng aneinader geklebt von einer komplett erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer umschlossen. Der geneigte Tourist, der in rauhen Mengen überwiegend per Kreuzfahrtschiff hierher gekarrt wird, wird hier zwar kräftig zur Kasse gebeten, aber so etwas bekommt man nicht alle Tage zu sehen. Ich bin begeistert und schlendere den ganzen Tag durch möglichst alle Gassen und eltiche Museen, obwohl die Hitze wieder mal drückt: ca. 40 Treppenstufen hoch auf die Stadtmauer und ich transpiriere wie verrückt. Hier merke ich erneut, wie angenehm doch so ein Fahrtwind auf dem Rad sein kann.
Abends möchte ich bei den Herbergseltern meinen Obulus entrichten, aber so einfach komme ich nicht davon. Erst nachdem ich ein Glas selbstgemachten Kirschlikör geleert habe und eine halbe Stunde zur Unterhaltung (auf deutsch, englisch, russisch oder mit Gesten) beigetragen habe, entlässt man mich in die Ruhestatt.
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Gedränge im Hafen
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Stadtmauer
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Altstadt Dubrovnik
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Re: Istrien und Dalmatien

Beitragvon Falcon am Sa 11. Feb 2012, 14:01

15. Tag Seefahrt

Morgens bei der Abfahrt in Dubrovnik bricht der wohl noch unterfahrene Kapitän mit dem Schiff ein beachtliches Stück aus der Kaimauer; der Rest der Seereise verläuft aber normal.
Was für eine Erholung: den ganzen Tag lasse ich an Deck die dalmatinischen Küste im geruhsamen Tempo an mir vorbeiziehen, vertilge zwei viergängige Menüs und nebenbei noch ein unterhaltsames Buch (http://www.radtouren.net/karten_buecher ... -rasen.htm). Urlaub kann auch so schön gammelig sein! Ich lerne einen Kabinenmitbewohner kennen, der aus Kanada stammt, in Hamburg Orientalistik studiert hat und jetzt mit seiner kroatischen Frau in Kroatien lebt – Globalisierung live!
Die sanitären Einrichtungen an Bord des Schiffes sind der Hammer: dort herrschen ca. 30°C mit 100% Luftfeuchte (die mickrige Lüftung bekommt es nicht anders hin) und in den Räumen mit rostigen Wänden hängt ein beißender Geruch nach Urin. Also länger als unbedingt notwendig halte ich es hier nicht aus, duschen entfällt heute mal.

Die Strecke (platt wie Holland):
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=mga ... =trackList
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13 Schifffahrt.jpg
Kein Kreuzfahrtschiff
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Re: Istrien und Dalmatien

Beitragvon Falcon am Sa 11. Feb 2012, 14:07

16. Tag Überführungsetappe

Morgens sind die Gänge auf dem Schiff mit Leuten vollgestopft, die auf dem Deck übernachten wollten, dann aber vor dem einsetzenden Regen geflüchtet sind. REGEN!??!?! Was war das noch mal? Seit meiner Abfahrt in Triest ist kein Regentropfen auf mir gelandet und ich habe gute zwei Wochen kaum mal eine Wolke am Himmel gesehen. Derartig verwöhnt ich stecke ich meine Nase auf das Deck und schaue ungläubig auf das Nass. Ein Gewitter tobt sich in der Kvarner Bucht aus. Nachdem mich die Fähre in Rijeka dann ausgespuckt hat, suche ich mir schnell einen Unterstand und krame in meinen Taschen die Regenbekleidung hervor und ziehe sie über. Ich warte erst mal, bis es richtig hell wird (soweit es eben unter Gewitterwolken hell werden kann) und hoffe natürlich, dass das Gewitter sich verzieht. Ich habe es nicht eilig, denn die heutige Etappe ist überschaubar und ich habe genügend Zeit. Nach über einer Stunde wird mir die Warterei zu blöd, das Gewitter kommt nicht über die Berge. Ich fahre los, als es nicht mehr so heftig regnet, in der Hoffnung... Na ja, nach 10 min geht es wieder richtig los. Es gießt wie aus Eimern, es schüttet wie aus Kübeln, eine Sintflut kommt über mich als ob die fehlenden Niederschläge der letzten zwei Wochen heute ersetzt werden müssten. Die Straße führt mittlerweile stetig bergan. Am rechten Fahrbahnrand, wo ich eigentlich fahren möchte, fließt mir ein Fluss entgegen. Mal fahre ich dort durch und hoffe, dass da noch fester Untergrund vorhanden ist. Mit einem Tretboot würde ich jetzt hier auch vorankommen. Manchmal fahre ich auf dem Fussweg und bekomme von vorbeifahrenden Autos noch eine zusätzliche Dusche ab. Irgendwann bin ich dann total durchgeweicht und dann ist mir auch alles egal. Wenn ich länger stehen bleibe, wird mir kalt und so fahre ich nur mit kurzen Pausen (mal an der Tanke eine heiße Schokolade getrunken – wie herrlich!) weiter. Irgendwann ist das Gewitter vorbei und es stellt sich ein stetiger Landregen ein. Ich fahre durch die Grenzregion zwischen Kroatien und Slowenien. Eine recht einsame Gegend, voller Wälder, nur ab und zu ein verlassenes Gehöft, fast kein Verkehr und es geht immer weiter bergan. Auf ca. 700 m frage ich mich langsam, wohin die Straße mit mir noch hin will. Ein paar Kurven weiter bin ich dann wohl oben. Weiter führt die Straße durch ein menschenleeres Hochplateu, landschaftlich sicher reizvoll, aber es regnet immer noch und die Wolken hängen tief.
Der Grenzübergang ist fast schon kurios. Von jedem Grenzverkehr verlassen stehen auf kroatischer Seite zwei Wohncontainer am Straßenrand. Ich halte ordnungsgemäß und die quitschende Bremse lockt den Beamten aus seiner Behausung. Sichtlich missmutig wegen der Störung steckt er seinen Kopf aus dem Container, wird aber bei meinem Anblick Typ „nasser Pudel“ doch freundlich und winkt mich durch die nicht vorhandene Absperrung. Der slowenische Grenzer hat immerhin eine kleine, überdachte (!) Schranke, die mich am Weiterfahren etwas hindert, die er dann aber auch brav hochschraubt.
Ich husche wieder schnell durch Slowenien und schwupps bin ich wieder in Italien. Der Regen hat nun aufgehört und in der Abfahrt in das Zentrum von Triest beginne ich langsam zu trocknen.
Das wars eigentlich, die Runde ist beendet, Ziel erreicht!
Es folgen das Warten auf den Zug nach Venedig, die Zugfahrt und dann in Venedig weiter warten auf den Nachtzug nach München. Rad verstauen, Abteil beziehen, alles kein Problem und dann Gute Fahrt und Gute Nacht.

Die Strecke:
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=tng ... =trackList
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14 morgens um 7 in Rijeka.jpg
morgens 7 Uhr, Rijeka
13 die wolken hänge tief.jpg
tiefe Wolken
14 Venedig im Regen.jpg
Venedig im Regen
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