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Stelvio, Umbrail, Gavia und ein Hügel hinauf nach Sulden

Verfasst: Do 20. Jul 2006, 11:38
von Gebirgsrenner
Südtirol - wir waren da. Frank und ich. Vier Tage Radfahren, ein paar Höhenmeter sammeln, mal richtig schwitzen und gegen Berge kämpfen, Postkarten kaufen, Cola trinken ohne Ende, über das Ende der Gletscher philosophieren und Kellnerinnen verwundern :D .
Hier unsere Ausgangsbasis für die Touren. Sulden (Solda) - hübsche 1900 Meter hoch und irgendwie am Ende der Welt.


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Re: Stelvio, Umbrail, Gavia und ein Hügel hinauf nach Sulden

Verfasst: Do 20. Jul 2006, 12:05
von Gebirgsrenner
Tag 1 - Anreise.
Via A9 - München - Garmisch - Fernpass - Reschenpass (mit Reschensee oberhalb - Foto 1), Prad nach Sulden.
Hübsches Hotel (Marlet; nur zu empfehlen) und viel Zeit (14 Uhr). Also haben wir uns entschlossen, ein wenig einzurollen.
Einmal Stelvio und zurück.
Wer in Sulden wohnt, beginnt den Anstieg zum Stelvio in Gomagoi, etwa 6 km hinter Prad, aber immernoch knapp 18 km unter dem Gipfel. Und so sind wir dann motiviert los.....
Hübsch war es. Ein wenig steil und schweisstreibend auch, eine ganz neue Erfahrung inmitten einer Wahnsinns-Natur. Ich war ein wenig früher oben als Frank und so bin ich nach einer Cola und nach mindestens zwei Versuchen des Wurstverkäufers, mir eine Wurst anzudrehen, nach deren Verzehr ich "richtig gout furzzen" kann, nochmal ein Stück runter und habe Frank moralischen Beistand geleistet in den letzten Kehren.
Nach kurzer Pause ging es dann fliegend und immer mal wieder bremsend hinab nach Gomagoi - um den kleinen Hügel nach Sulden zu bewältigen. Der Schlußanstieg ist 9 km lang und hat - laut Polar - diese Durschnittswerte:

Km 1 - 2,5
km 2 - 10,1
km 3 - 10,3
km 4 - 9,3
km 5 - 7,0
km 6 - 4,2
km 7 - 8,8
km 8 - 2,3
km 9 - 1,5

und hinauf zum Hotel: 9,4

bei mir waren es letztlich 62 km bei 2300 hm



(später mehr)




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Re: Stelvio, Umbrail, Gavia und ein Hügel hinauf nach Sulden

Verfasst: Do 20. Jul 2006, 12:41
von Gebirgsrenner
Tag 2:
Sulden - Gomagoi - Stelvio - Umbrail - St. Maria - Prad - Gomagoi - Stilfs - Gomagoi - Sulden

Sonne, 30 Grad, ausgeruhte Beine - ein guter Tag für eine gute Etappe.
Also hinab nach Gomagoi - hinauf zum Stelvio - den Umbrail hinab (Fotos - Naturstrasse lässt sich mit dem Rennrad bergab nicht wirklich gut fahren) - in St Maria rechts weg zurück nach Italien und dann via Prad hinauf nach Sulden. Da mir die Strecke zu kurz war - habe ich noch den Ort Stilfs besucht und mich über ein Verkehrsschild gewundert (Foto).

90 km bei 2610 hm


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Re: Stelvio, Umbrail, Gavia und ein Hügel hinauf nach Sulden

Verfasst: Do 20. Jul 2006, 12:49
von Gebirgsrenner
Tag 3:

Wieder heiss. Wieder sonnig. Wieder gute Beine. Mut für eine längere Tour.

Sulden - Gomagoi - Stelvio - Umbrail - St Maria - Ofenpass - St Maria - Umbrail - Stelvio - Gomagoi - Sulden

Bis zum Ofenpass lief es gut. Dort dann der erste Schock: eine kleine Cola und ein kleines Wasser kosten in der Schweiz 7,50 Euro. Die Abfahrt nach St Maria ist super - dann beginnt die Quälerei den Umbrail hoch. Die unteren Kehren sind super zu fahren, die Naturstrasse ging auch so, doch dann verliess mich das Wasser und leider gibt es am Umbrail keine Quelle. So bin ich dann förmlich vertrocknet und habe mich mich Mühe und Not und allen möglichen Beschwörungs- und Ermutigungs-Formel hinauf zum Stelvio geschleppt. Dort Wasser und Cola und eine Bratwurst (die Sachen mit den Blähungen stimmt nicht) und mit müden Beinen abwärts um dann aufwärts nach Sulden nochmal schön zu leiden.

116 km bei 4175 hm


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Re: Stelvio, Umbrail, Gavia und ein Hügel hinauf nach Sulden

Verfasst: Do 20. Jul 2006, 12:55
von Gebirgsrenner
Tag 4 - Abreise

Vorher haben sich Frank und ich geeinigt, den Gavia zu besuchen und abzufahren. Ein Wahnsinnsberg.
Da ich in der Abfahrt die Polar nicht angeworfen habe, sind es nur 28 km und ein merkwürdiges Profil. Regulär bin ich bis Ponte Legno und von dort die 17 km hinauf.
Schon sehr irre, vor allem wenn man die Passhöhe (Fotos) vergleicht mit der der des Stelvio. Ein Unterschied wie Tag und Nacht.


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Re: Stelvio, Umbrail, Gavia und ein Hügel hinauf nach Sulden

Verfasst: Do 20. Jul 2006, 13:42
von Frank
ja was soll man noch dazu schreiben?

es waren 4 sehr anstrengende, aber absolut lohnenswerte Tage.

Jan hat eigentlich schon alles gesagt... und die Fotos sprechen für sich.

Das Problem am Stelvio ist, dass man lange Zeit nicht sieht, wo man hinfährt. Die wirklich steilen Abschnitte sind weiter unten im Wald zwischen Kehre 40 und 30, die saugen einem schon mal die kraft aus den Beinen. Der Schock kommt dann etwa bei Kehre 25, weil sich da die Felswand vor einem aufstellt, die man von den Postkarten kennt. Und von hier sind es eben noch 25 Kehren bzw. 700 Höhenmeter bei nicht nachlassender Steigung. Im Vergleicht zu Jan habe ich es eher ruhig angehen lassen, daher flogen etliche Fahrer nur so an mir vorbei. Wahnsinn. Sehr hilfreich war das Mannschftsfahrzeug eines belgischen Radsportvereins, der mich ab und zu mit frischen isotonischen Getränken versorgt hat. Nur nebenbei: fast alle (!) Fahrer haben gegrüßt!!! Es sei denn, man musste bei der rasenden Abfahrt beide Hände fest am Lenker halten.
Obwohl wir die Bormio-Seite vom Stelvio nur mit dem Auto abgefahren sind, halte ich es für ein Gerücht, dass dies die "leichtere" Seite ist. Dies an der Zahl der Kehren festzumachen ist falsch, der Anstieg zeiht sich von Bormio auch sehr lang hin und es gibt etliche sehr steile Abschnitte.

Der Umbrail lässt sich bis auf die Schotterstraße sehr gut abfahren. Ich hätte gesagt, dass der Umbrail leichter als der Stelvio ist, wobei mir Jan da sofort widersprochen hat, nachdem er diesen Pass auch mal hochgefahren ist (Ich habe an diesem Tag einen "Wandertag" mit immerhin 650 Höhenmetern eingelegt, um mich für den Gavia zu schonen.)

Der Gavia lässt sich meiner Meinung nach sehr gut fahren, obwohl gleich zu Beginn zwei etwas längere 14 bzw. 16% Abschnitte zu bewältigen sind. Danach kommt man eigentlich ganz gut haoch, wenn man denn mal seinen Rhythmus gefunden hat. Sehr angehm sind hier die wenigen Auto- und Radfahrer, hier geht alles etwas ruhiger zu.

Re: Stelvio, Umbrail, Gavia und ein Hügel hinauf nach Sulden

Verfasst: Do 20. Jul 2006, 13:44
von pneumo
sehr schöne landschaften, sehr beeindruckende schilderungen und fotos: da schmerzen die oberschenkel schon beim bilder-gucken...
mein respekt!!!

und mein 15%-avatar hat konkurrenz bekommen :D



Re: Stelvio, Umbrail, Gavia und ein Hügel hinauf nach Sulden

Verfasst: Do 20. Jul 2006, 19:30
von peso
Sehr schön! Obwohl ihr mir den Stelvio vielleicht ein oder zweimal zu oft gefahren seid - der Mortirolo lag doch auch gleich um die Ecke. :)

Ist da auch ein Paß dabei, den es noch nicht bei Salite gibt?

Schöne Photos.

Re: Stelvio, Umbrail, Gavia und ein Hügel hinauf nach Sulden

Verfasst: Do 20. Jul 2006, 19:56
von Frank
peso hat geschrieben:Sehr schön! Obwohl ihr mir den Stelvio vielleicht ein oder zweimal zu oft gefahren seid - der Mortirolo lag doch auch gleich um die Ecke. :)

Ist da auch ein Paß dabei, den es noch nicht bei Salite gibt?

Schöne Photos.
den Stelvio kann man gar nicht oft genug fahren, trotz der vielen Autos, trotz der Motorräder und obwohl er touristisch sehr gut erschlossen ist - das Gefühl , wenn du oben angekommen bist, das kann man nicht beschreiben. Ich hätte auch 20 EUR für eine Cola bezahlt, und dann diese Aussicht :o

Mortirolo: noch ein Grund, wieder hinzufahren, vielleicht als Höhentrainingslager für das F-bergzeitfahren

Re: Stelvio, Umbrail, Gavia und ein Hügel hinauf nach Sulden

Verfasst: Do 20. Jul 2006, 20:37
von Gebirgsrenner
Noch ein paar Impressionen:


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