Abstecher in die Dolomiten...
Verfasst: Mo 15. Sep 2008, 20:52
(Der Abstecher vom Gardasee ist einen eigenen Thread wert - finde ich.
Tour Nr. 6: Die (erweiterte) Sella-Runde: 4 Dolomitenpässe an einem Tag - plus Reifenplatzer!
Die zwei Tage Ruhe haben sehr gut getan. Gestern (Dienstag, 09.09.) sind wir in die Dolomiten, genau gesagt nach Corvara gefahren. Der Ort liegt auf 1600 Meter Höhe, direkt unterhalb des Grödner Jochs. Es ist Mittwoch Morgen und ich weiss schon direkt nach dem Aufstehen: Das war viel zu wenig Schlaf. Bis in die Nacht habe ich mein Rad vorbereitet. Neue Bremsbeläge montiert und den Schlauch im Vorderreifen plus Mantel gewechselt (den Hinterreifen leider nicht...).
Nach gutem Frühstück starte ich um 10 Uhr vom Hotel - und schon nach den ersten Metern, könnte ich fluchen. Es geht mit 17% runter in den Ort! Na toll, das wird ja nachher noch eine schöne Zugabe. ;-)
Von Corvara fahre ich nicht wie für die Sellarunde üblich über den Passo Campolongo, sondern es geht erst abwärts nach Stern / La Villa. Dort beginne ich meinen ersten Dolomiten-Anstieg. Bei absolut tollstem Sonnenschein geht es rauf auf den Valparolapass. Mit fast 900 Höhenmetern am Stück schon der schwierigste für heute - allerdings leichter werden die anderen nicht, schließlich hat man später ja schon ein paar Höhenmeter in den Beinen. Wer noch nicht hier war, dem kann ich die Aussicht auf die Dolomiten kaum beschreiben. Es haut einen einfach um. Wer schon mal hier war, der wird mich wohl verstehen: Das ist atemberaubend. Man muss sich wirklich beherrschen, nicht dauern rechts und links zu schauen, oder einfach anzuhalten, um den Anblick zu geniessen. Ich lasse es heute ruhig angehen, auch weil ich nicht weiss, wie ich mit der Höhe zu Recht komme. Zwar ist der Pass mit maximal 12 % nicht zu steil, aber er fordert dennoch.
Und ich glaub, ich merk die Luft. Vielleicht ist es nur Einbildung, aber irgendwie atmet es sich doch schwerer. Unangenehm, aber später wurde es dann besser. Vielen Radfahrern begegne ich nicht. Und wenn, dann sind sie auf dem MB unterwegs. Seiïs drum, ich geniesse es in vollen Zügen. Und das Wetter spielt mit. Darüber hinaus bin ich froh, letzte Woche am Gardasee doch einiges trainiert zu haben. Ich bin überrascht, wie gut ich hochkomme. Das 27er hat sogar immer öfter Pause.
Oben erlebe ich dann zum ersten Mal, wie Radsport in den Bergen verbindet. Schnell kommt man mit den anderen ins Gespräch. Jeder erzählt von seinen Erfahrungen - ich halte mich da sehr dezent zurück, was soll ich auch erzählen, als Neuling hier! Irgendwann raff ich mich dann auf, und löse mich von der tollen Aussicht. Es geht runter Richtung Andraz und dann sanft rauf nach Arabba. Dort steht der nächste Berg an: Der Passo Pordoi. Im Ort geht es nach rechts in den Anstieg und sofort in eine kehrenreche Strecke. So liebe ich das. Noch mal 830 Höhenmeter, aber ich nehme es vorweg, sie sind nicht steil, verteilen sich mit maximal 12% auf 9 Kilometer. Weil es ganz gut läuft, wächst in mir auch der Ehrgeiz. Während ich bei allen anderen Touren immer mal auch im Anstieg gehalten habe, versuche ich es nun mal auch Non-Stop. Das kostet zwar Kraft und auf Fotos muss ich dann auch verzichten, aber ich überwinde den Schweinehund und komme oben ganz gut an. Auf der Passhöhe erwartet mich eine Überraschung. Hier ist die Hölle los. Fast ein ganzes Dorf. Restaurant an Restaurant. Busse voller Touristen entladen sich über dem Platz. Irre. Fast ein Volksfest. Ich belohne mich erstmal mit zwei Wiener Würstchen und viel Cola. Dann das Pflicht-Foto vor dem Fausto Coppi-Denkmal. Dann stürze ich mich in die Abfahrt. Obwohl der Sturz sehr kurz ausfällt. Vor uns quält sich ein Buss durch die engen Kehren und dahinter wird eine Schlange an Autos und Wohnmobilen aufgehalten. Mit einem anderen Fahrer wage ich einige Überholversuche. Er schafft vor der nächsten Kehre auch noch den Bus, ich muss abbremsen. Hinter der Kurve will ich grade beschleunigen und überholen, als es passiert: Ein lauter Knall und schon schlägt mein Hinterrad aus. Schlauch geplatzt. Ich weiss nicht wie, aber irgendwie bekomme ich das Rad zum Stehen, ohne dabei auf der Strasse zu liegen. Mein Puls rast hoch, ich steige aus den Pedalen, lege das Rad auf die Seite und muss erstmal zur Ruhe kommen. Mir wird sofort klar: Ich hatte riesen Glück. Als der Schlauch hoch ging, hatte ich vielleicht 30 drauf, ich möchte mir kaum ausmalen, was passiert wäre, hätte ich den Bus schon vorher überholt und wäre viel schneller gewesen.
Ich schiebe die Gedanken zur Seite und handle. Unglaublich, aber erst meine zweite Panne in drei Jahren und diesmal habe ich zum Glück auch einen Ersatzschlauch dabei. Dazu bekomme ich Hilfe von allen Seiten. Keiner, der hoch oder runter fährt und nicht besorgt zur Seite blickt und sofort fragt: Brauchst du Hilfe?
Nach 15 Minuten und genauer Kontrolle geht es dann aber sehr dosiert weiter bergab. Der Mut zur Geschwindigkeit ist erst mal dahin. Ich hoffe nur, dass der Reifen hält und ich die Runde auch beenden kann. Vom Pordoi geht es nicht weit runter. Nach 500 Höhenmetern ist schluss und wenn man die Kurve bekommt geht es mit Tempo in den Anstieg zum Sella Joch. Der hat es noch mal richtig in sich. Von der Aussicht und der Härte. Vielleicht sind es aber auch nur die Höhenmeter, die ich schon in den Knochen habe. Ich treffe wieder auf zwei andere Fahrer, die ich schon am Pordoi getroffen habe. Da sie arg gemütlich fahren, ziehe ich vorbei. Am Passschild trifft man sich dann wieder
Oben gibt es auch ungewohnte Anerkennung: Zwei Motorradfahrer zollen unserer Leistung mit erhobenen Daumen Respekt. Na wenn das nicht weiter motiviert.
Lange halte ich mich hier aber nicht auf. Schließlich geht es noch rauf aufs Grödner Joch. Die kurzweiligen Weggefährten machen mir aber Mut. Viel ist es nicht. Und der Anstieg ist durch eine flache Fahrt auf einer Zwischenebene unterbrochen. So ist es dann auch. Es dauert nicht lange, und auch der vierte Dolomitenpass ist erobert. Fast habe ich ein schlechtes Gewissen, weil man den Anstieg ja irgendwie ?nicht ganz? gefahren ist, aber so ist die Runde halt.
Viel los ist hier nicht mehr, ich mache die Fotos und stürze mich in die letzte Abfahrt, runter nach Covara. Und die macht richtig Spass. Tolle Kehren, guter Belag (viel neu gemacht) und wenig Verkehr. Ein wenig übermütig lasse ich mich sogar dazu hinreissen, einen Kleinwagen zu überholen. Nach 9 Kilometern ist der Spass vorbei und ich bin unten. Doch dann fällt mir mit Blick auf den Hotelberg ein: Einer kommt noch. Und tatsächlich, es ist ein letzte Qual. Mit bis zu 17 % geht es hoch. Schlangenlinien, mein Tempo verrate ich lieber nicht. ;-)
Was folgt ist eine grosse Zufriedenheit, Dusche, eine Massage und ein richtig gutes Essen. Übrigens ein tolles Hotel. Bevor ich ins Bett fallen kann, wechsele ich noch den Hinterreifen. Sicher ist sicher. Dann schlaf ich ziemlich fertig ein.
Bilanz: 90 Km, 2.500 Hm.
Tour Nr. 6: Die (erweiterte) Sella-Runde: 4 Dolomitenpässe an einem Tag - plus Reifenplatzer!
Die zwei Tage Ruhe haben sehr gut getan. Gestern (Dienstag, 09.09.) sind wir in die Dolomiten, genau gesagt nach Corvara gefahren. Der Ort liegt auf 1600 Meter Höhe, direkt unterhalb des Grödner Jochs. Es ist Mittwoch Morgen und ich weiss schon direkt nach dem Aufstehen: Das war viel zu wenig Schlaf. Bis in die Nacht habe ich mein Rad vorbereitet. Neue Bremsbeläge montiert und den Schlauch im Vorderreifen plus Mantel gewechselt (den Hinterreifen leider nicht...).
Nach gutem Frühstück starte ich um 10 Uhr vom Hotel - und schon nach den ersten Metern, könnte ich fluchen. Es geht mit 17% runter in den Ort! Na toll, das wird ja nachher noch eine schöne Zugabe. ;-)
Von Corvara fahre ich nicht wie für die Sellarunde üblich über den Passo Campolongo, sondern es geht erst abwärts nach Stern / La Villa. Dort beginne ich meinen ersten Dolomiten-Anstieg. Bei absolut tollstem Sonnenschein geht es rauf auf den Valparolapass. Mit fast 900 Höhenmetern am Stück schon der schwierigste für heute - allerdings leichter werden die anderen nicht, schließlich hat man später ja schon ein paar Höhenmeter in den Beinen. Wer noch nicht hier war, dem kann ich die Aussicht auf die Dolomiten kaum beschreiben. Es haut einen einfach um. Wer schon mal hier war, der wird mich wohl verstehen: Das ist atemberaubend. Man muss sich wirklich beherrschen, nicht dauern rechts und links zu schauen, oder einfach anzuhalten, um den Anblick zu geniessen. Ich lasse es heute ruhig angehen, auch weil ich nicht weiss, wie ich mit der Höhe zu Recht komme. Zwar ist der Pass mit maximal 12 % nicht zu steil, aber er fordert dennoch.
Und ich glaub, ich merk die Luft. Vielleicht ist es nur Einbildung, aber irgendwie atmet es sich doch schwerer. Unangenehm, aber später wurde es dann besser. Vielen Radfahrern begegne ich nicht. Und wenn, dann sind sie auf dem MB unterwegs. Seiïs drum, ich geniesse es in vollen Zügen. Und das Wetter spielt mit. Darüber hinaus bin ich froh, letzte Woche am Gardasee doch einiges trainiert zu haben. Ich bin überrascht, wie gut ich hochkomme. Das 27er hat sogar immer öfter Pause.
Oben erlebe ich dann zum ersten Mal, wie Radsport in den Bergen verbindet. Schnell kommt man mit den anderen ins Gespräch. Jeder erzählt von seinen Erfahrungen - ich halte mich da sehr dezent zurück, was soll ich auch erzählen, als Neuling hier! Irgendwann raff ich mich dann auf, und löse mich von der tollen Aussicht. Es geht runter Richtung Andraz und dann sanft rauf nach Arabba. Dort steht der nächste Berg an: Der Passo Pordoi. Im Ort geht es nach rechts in den Anstieg und sofort in eine kehrenreche Strecke. So liebe ich das. Noch mal 830 Höhenmeter, aber ich nehme es vorweg, sie sind nicht steil, verteilen sich mit maximal 12% auf 9 Kilometer. Weil es ganz gut läuft, wächst in mir auch der Ehrgeiz. Während ich bei allen anderen Touren immer mal auch im Anstieg gehalten habe, versuche ich es nun mal auch Non-Stop. Das kostet zwar Kraft und auf Fotos muss ich dann auch verzichten, aber ich überwinde den Schweinehund und komme oben ganz gut an. Auf der Passhöhe erwartet mich eine Überraschung. Hier ist die Hölle los. Fast ein ganzes Dorf. Restaurant an Restaurant. Busse voller Touristen entladen sich über dem Platz. Irre. Fast ein Volksfest. Ich belohne mich erstmal mit zwei Wiener Würstchen und viel Cola. Dann das Pflicht-Foto vor dem Fausto Coppi-Denkmal. Dann stürze ich mich in die Abfahrt. Obwohl der Sturz sehr kurz ausfällt. Vor uns quält sich ein Buss durch die engen Kehren und dahinter wird eine Schlange an Autos und Wohnmobilen aufgehalten. Mit einem anderen Fahrer wage ich einige Überholversuche. Er schafft vor der nächsten Kehre auch noch den Bus, ich muss abbremsen. Hinter der Kurve will ich grade beschleunigen und überholen, als es passiert: Ein lauter Knall und schon schlägt mein Hinterrad aus. Schlauch geplatzt. Ich weiss nicht wie, aber irgendwie bekomme ich das Rad zum Stehen, ohne dabei auf der Strasse zu liegen. Mein Puls rast hoch, ich steige aus den Pedalen, lege das Rad auf die Seite und muss erstmal zur Ruhe kommen. Mir wird sofort klar: Ich hatte riesen Glück. Als der Schlauch hoch ging, hatte ich vielleicht 30 drauf, ich möchte mir kaum ausmalen, was passiert wäre, hätte ich den Bus schon vorher überholt und wäre viel schneller gewesen.
Ich schiebe die Gedanken zur Seite und handle. Unglaublich, aber erst meine zweite Panne in drei Jahren und diesmal habe ich zum Glück auch einen Ersatzschlauch dabei. Dazu bekomme ich Hilfe von allen Seiten. Keiner, der hoch oder runter fährt und nicht besorgt zur Seite blickt und sofort fragt: Brauchst du Hilfe?
Nach 15 Minuten und genauer Kontrolle geht es dann aber sehr dosiert weiter bergab. Der Mut zur Geschwindigkeit ist erst mal dahin. Ich hoffe nur, dass der Reifen hält und ich die Runde auch beenden kann. Vom Pordoi geht es nicht weit runter. Nach 500 Höhenmetern ist schluss und wenn man die Kurve bekommt geht es mit Tempo in den Anstieg zum Sella Joch. Der hat es noch mal richtig in sich. Von der Aussicht und der Härte. Vielleicht sind es aber auch nur die Höhenmeter, die ich schon in den Knochen habe. Ich treffe wieder auf zwei andere Fahrer, die ich schon am Pordoi getroffen habe. Da sie arg gemütlich fahren, ziehe ich vorbei. Am Passschild trifft man sich dann wieder
Oben gibt es auch ungewohnte Anerkennung: Zwei Motorradfahrer zollen unserer Leistung mit erhobenen Daumen Respekt. Na wenn das nicht weiter motiviert.
Lange halte ich mich hier aber nicht auf. Schließlich geht es noch rauf aufs Grödner Joch. Die kurzweiligen Weggefährten machen mir aber Mut. Viel ist es nicht. Und der Anstieg ist durch eine flache Fahrt auf einer Zwischenebene unterbrochen. So ist es dann auch. Es dauert nicht lange, und auch der vierte Dolomitenpass ist erobert. Fast habe ich ein schlechtes Gewissen, weil man den Anstieg ja irgendwie ?nicht ganz? gefahren ist, aber so ist die Runde halt.
Viel los ist hier nicht mehr, ich mache die Fotos und stürze mich in die letzte Abfahrt, runter nach Covara. Und die macht richtig Spass. Tolle Kehren, guter Belag (viel neu gemacht) und wenig Verkehr. Ein wenig übermütig lasse ich mich sogar dazu hinreissen, einen Kleinwagen zu überholen. Nach 9 Kilometern ist der Spass vorbei und ich bin unten. Doch dann fällt mir mit Blick auf den Hotelberg ein: Einer kommt noch. Und tatsächlich, es ist ein letzte Qual. Mit bis zu 17 % geht es hoch. Schlangenlinien, mein Tempo verrate ich lieber nicht. ;-)
Was folgt ist eine grosse Zufriedenheit, Dusche, eine Massage und ein richtig gutes Essen. Übrigens ein tolles Hotel. Bevor ich ins Bett fallen kann, wechsele ich noch den Hinterreifen. Sicher ist sicher. Dann schlaf ich ziemlich fertig ein.
Bilanz: 90 Km, 2.500 Hm.





















