Etelsen, morgens 08.00 Uhr
Floeri erreichte sein neues Ziel. 150km waren auch an diesem Tag angedacht. Es gab im www leider keine Strecke zum Runterziehen, also bin ich für meine Verhältnisse völlig nackt am Garmin die Strecke abgefahren.
Celle war komplett anwesend und es versprach ein tolles Event zu werden. Die Nähe zu Bremen brachte auch die guten Fahrer aus der Hansestadt dazu hier zu starten. Es sollte eine schnelle Ausfahrt werden. Die Celler hatten sich noch nicht so richtig geordnet, als wir im Startblock 1 standen und der Startschuss fiel. Die ersten huschten durch die Siedlung, als ob nach 300m das Ziel wäre. Bei den Teerhuckeln, die dem Autofahrer das langsame Fahren ermöglichen sollen, war mir das unterfangen, die erste Gruppe zu nehmen, doch etwas zu gefährlich. Auf der Kreisstrasse wurde dann aber Tempo aufgenommen und nicht nur ich sah 400m vor mir eine Truppe von 40 FahrerInnen, die die gesamte Strassenhälfte einnahmen. 3-4 Fahrer nahmen die Verfolgung auf und durch die gestrige Ausfahrt hatte ich ordentlich Power und erarbeitet mir einen Platz in schnellen Gruppe durch zielgerichtetes Lutschen und Flügelflitzen von Mann zu Mann.
Die Gruppe war schnell unterwegs und mein Herz ballerte nett gegen die Brust. Ich erwischte irgendwann von dem Team „pocco xxx“ das hinterrad einer Frau, die einen ruhigen Eindruck beim Pedalieren vermittelte. Problem war aber, dass sie 10 Männer mit demselben Outfit dabei hatte und die waren genau hinter mir. So kam es, dass bei einer Abfahrt die Jungs sich schön einer nach dem anderen mmgenau an mir vorbeidrückten und sich zwischen uns positionierten. Na gut, die anderen pocco-HR waren auch schön.
Langsam begann das Feld sich zu einer 2erReihe zu organisieren und die Hektik verging, aber das tempo war für meine Verhältnisse schon recht hoch. Diese RTF war zudem auch nicht ganz so tellerflach wie gestern, so dass ich bei den 2%-Rampen mit 50/13 aus dem Statel gehen musste, da sonst kein Druck mehr da war.
Plötzlich hörte ich „Floeri, bist Du Floeri!?“ Moreau aus dem C4F-Forum hatte mich erkannt und wir quatschten eine Zeitlang miteinander. Dann klingelte mein Telefon und die üblichen Sprüche bekam ich volle Breitseite ab. War meine Frau, aber bei 45km/h muss man nicht telefonieren. Am ersten Checkpoint hatten wir dann um die 38km/h geschafft. Ich freute mich auf die Pause und von den 70 Pedaleueren hielten leider nur 10 an, um Wasser und Schnittchen, bzw. Stempelchen zu fassen.
Die Raserei hatte ein Ende, dachte ich und war enttäuscht. Ich fühlte mich gut und wollte weiter schnell fahren. Mich konnte vom Gefühl her nichts zerstören, also musste Speed wieder her. Ich wartete bis eine Gruppe losging und hing mich hinten dran. Langsam war das auch nicht, aber bei weitem nicht mehr so schnell, wie zu Beginn. Mit 5 Leuten fuhren wir zügig hintereinander. Ich war genau hinter einem Trikot der Tour de Energie und dachte, dass der Typ daher sympathisch sein müsse. Das verwarf ich dann aber ganz schnell, als er zum ersten Mal die Führung übernahm. Vorher schön passiv gelutscht und dann in der Führungsarbeit 5km/h on top draufgelegt. Als ich dann vorne war, gab mein Puls schon langsam auf, denn viel höher konnte der nicht mehr. Das Spiel ging 3 Mal, dann hatte ich die Faxen dicke und ich wechselte das Hinterrad, bevor ich vorne war. Das passte ihm natürlich nicht, da ich wohl vorne gute Fahrergebnisse geliefert habe. Er fragte ab jetzt jedes Mal, ob ich noch könne. Penetrante Mitstreiterüberprüfung nenne ich das mal. Aber wir kommen auf ihn noch zurück. Das 2. Depot wurde erreicht und beide Flaschen waren leer und mittlerweile auch 3 Gels inhaliert. Ich traf einen Kollegen aus meinem neuen Team und wir quatschten, während ich gefühlt den 50l Wsssertank am Tisch aussoff. Seine Truppe ging dann los und plötzlich waren meine 5 Hansel auch weg. Floeri hat mal wieder alles verschlafen und das bei 32 Grad und Gegenwindpassage, die jetzt kam.
Ich zottelte von dannen und fuhr der Truppe hinterher. Immer im Blickfeld aber keine Chance, die 300m zu schließen, denn es ging bergauf, 2-3%. Nichts zu machen, so dass ich nach Puls fuhr und es vermied über 165 Schläge zu kommen. Die Trennung 110km und 150km kam und ich überlegte kurz, ob es besser wäre, die kurze Strecke zu nehmen, wusste aber, dass die Celler auch die lange fahren, so dass ich links abbog. Um den Wald herumschielend, sah ich eine lange mäßige Steigung im totalen Kantenwind. Der Wind wurde auch immer stärker und das ist für einen Einzelfahrer wie für mich natürlich nicht nett. 200m vor mir entdeckte ich einen Fahrer, der sich umsah, aber keine Anstalten machte, auf mich zu warten, also zog ich nicht an und konzentrierte mich auf meine Beine. 100m vor dem Ende des Anstieges kam dann der InterCity dahergeschnauft, der mich bis ins Ziel mitnehmen sollte.
3 Männer, wie an der Schnur gezogen, spulten den 35+ Zwirn ab, als ob dieser Hügel nichts wäre. Ich platzte fast, als ich als viertes Notrad versuchte, dranzubleiben. Meine Gedanken waren immer nur: „Wenn Du die nicht hältst, dann wird die Ausfahrt mörderisch, denn es sind noch über 80km bis zum Ziel!“ . Beißen kann ich ja und so machte ich den NSC-Floeri und bekam eine herrliche Fratze. Der Mann mit dem Hürzeler-Trikot führte schon seit ca. 5km und das tempo wurde immer schneller, auch an den Hügeln. Dann erbarmte er sich unser und der nächste ging in die Führungsaufgabe. Mein Puls begann sich zu beruhigen, denn die Geschwindigkeit wurde um 1 km/h gesenkt. Das reichte bei mir.
Den Fahrer vor mir hatten wir längst integriert im 5er-Zug, so dass die Wechsel gut liefen. Hürzeler kommt vom Bodensee und die Steigungen fährt er hoch wie ich sie runterfahren würde, also schön Geschwindigkeit aufnehmen. Ich habe mich an die harte Einheit gewöhnt und achtete darauf, dass ich alle 4-5 Minuten 2 Schluck Wasser in die Lunge bekomme.
An dem nächsten Stempelhalt hatte ich auch nichts kaltes mehr in den Flaschen und soff wieder das gesamte Wasser auf ex weg, kippte mir ein paar Becher über den Kopf und genoss den Schmerz des einlaufenden Schweiß-Wasser-Gemischs in meine Augen. RTF kann so toll sein. Die Celler-Crew stand auch komplett vor mir und feixte, was das zeug hielt, warum ich erst jetzt hier sei. Die Jungs kennen sich hier aus und kürzten wohl ab, um dann einen ratlos wirkenden Floeri ob seiner erbrachten Leistung zu veralbern....
Erst überlegte ich, ob ich mich meinen freunden anschließen sollte, aber die meinten, dass sie nicht so schnell unterwegs seine und ich solle mich weiter abschießen, denn ich sähe noch zu fit aus.
An diese Stopp hatten wir auch Tour de Energie wieder aufgesammelt und nun waren wir 7 Männer, die weiterzogen, um Etelsen einzunehmen. Am Stopp sagte man uns, dass es noch 30km bis zur letzten Kontrolle gehe und dann noch 13km bis zum Ziel.
Nun begann das Spielchen, wer hat den längsten, o.s.ä.. TdE ballerte wieder seinen Stiefel runter und das Pelethon begann wieder zu zerbröseln, um erst wieder zusammenzukommen, wenn ein anderer die Führungsarbeit übernahm. Ein gleichmäßiges Tempo gab es bald nicht mehr und man war schon froh, wenn Hürzeler mal hinter einem war, damit die Hügel nicht wieder in Unterlenkerposition und hängender Zunge 2m vor dem VR ersprungen wurde. Der Bodenseer wohnt jetzt übrigens in Bremen und fragte mich nach der Zieleinfahrt gezielt nach Trainingsmöglichkeiten in nährer Umgebung aus. Ich empfahl ihm Harz, Weserbergland und die Internetadresse auf meinem Shirt für die WEen.
Nun begann die Zeit, bei der man nicht mehr voll konzentriert zur Sache geht: Zuerst ballerte ich am richtungspfeil, der rechts zeigte geradeaus vorbei, dann fragte mich TdE nach einer Stopsituation, ob ich noch könne oder ob er die Arbeit übernehmen würde. Wer mich kennt, der weiss, dass ich anfing zu brodeln und ich schickte durch die Spiegelbrille vernichtende Blicke zu ihm herrüber.
Ab jetzt hatte ich eine andere Aufgabe. Ausruhen und irgendwann auf den letzten km den Zug zersprengen, denn bis auf Hürzeler waren eigentlich alle platt. Allerdings blieb das Tempo hoch und wir fuhren über Wirtschaftswege dem Ziel entgegen. Der 4. Stop war auch schon hinter uns, uninteressant, da dasselbe wie vorher auch: Floeri betrank sich besinnungslos.
Dann kam mein Augenblick: Zwei Männer waren vorne und ein 5m Luft waren zu meinem Vordermann TdE gerissen. Meine O-Schenkel schriene schon länger „Aufhören!“, aber das Ding mussten sie mir nun noch schenken. Ich blickte mich um und gab das Zeichen an die anderen 3, dass ich aufschließe und das tempo dann so aufrechterhalte. Sie nickten und ich ließ TdE links liegen und ging an beiden vorbei und „prügelte“ mit den Schuhen auf meinen Pedale ein. Ein geiles Gefühl, irgendwie befreiend, wenn man allen zeigt, dass jetzt das Ende eingeläutet wird.
Kein Blick mehr zurück, nur noch treten und dem Ziel entgegenfliegen...... Eine Autostrasse vermasselte mal wieder alles, denn ich musste stoppen, da die Kfz Vorfahrt hatten. TdE hatte uns wieder....und ging gleich vorne raus, alle hinterher und Floeri hatte weiss in den Augen....Ich schaffte den Anschluss, blieb aber letzter in der Gruppe, denn nach der Brückenüberfahrt war ich übersäuert und Lust auf Trinken verspürte ich auch nicht mehr.
Zum Glück war das Ziel dann bald erreicht und die Celler kamen doch glatt 5 Minuten später auch dorthin. Ich verstand die Welt nicht mehr: Da zieht man alle Register, die man noch hatte und die Jungs und Mädels kommen quietschvergnügt ins Ziel waren gut drauf!? Dasnennt man mal wieder Streckenspezialisten, die wissen, welche Schlaufe nicht gefahren werden muss!!!!!
Dafür waren sie hilfsbereit, um mich beim Hefeweizenleeren zu unterstützen.
Tolle RTF bei 141km und ca. 34,5km/h
Auswertungen gibst es heute Abend, wie zu Beginn beschrieben
Berichte und weiter Fotos gibt es hier zu bestaunen:
http://forum.helmuts-fahrrad-seiten.de/ ... 63efa37e20