Nachdem uns heute Morgen (

) zunächst der LVM im Zeitfahren zur Kuchtentafel gebeten hatte, lockte als dankbarer Auftakt der
Eichert, dessen Naturstraßenabschnitt noch immer mühelos mit dem Zustand tschechischer Bundesstraßen mithalten kann. Selbstverständlich (

) funktionierte auch die neue Variante über den "Erzengelweg". Wie immer unangenehm zu fahren war das rampige Mistding zum
Ochsenkopf. Nur gut, daß man unten in Bockau nicht um die Ecke schauen kann.

Wir packen den Böcken bei 80 km/h in der Abfahrt nach Antonsthal in die Hörner und geben ihnen nun nachdrücklich die gewünschte Richtung für das Schaltwerk mit. Ganz nach links, bitteschön! Obwohl sie sich sehr geschmeidig unter die Reifen legt, die
Antonshöhe, lediglich ihr letzter Buckel zeigt sich bekannt widerspenstig.
In Rittersgrün beginnt für chelm dann das große Abenteuer Auslandsurlaub. Die unverschämt glatte Autobahn zum Fichtelberg tauschen wir am alten Grenzübergang in
Český Mlýn zunächst gegen 350 m feinen Schotter, was des Weißsockenträgers von italienischen Jungfrauen handgeklöppelter Hinterreifen mit pfeifender Unbill quittiert. Mein Spott und sippes Wunderpumpe waren ihm sicher, als er im Pollenregen das grüne Opfer meiner Streckenführung quittierte und sich geschickt um Ersatz für die südländische Diva bemühte. Schuldbewußt nahmen sippe und peso dann für den restlichen Anstieg ihn und den zweiten anwesenden Bergmops aufopferungsvoll in unseren Pollenschatten.

- Myslivny
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Fichtelberg und Klínovec neigten uns ihre windumtosten Häupter zu, und wir krabbelten dem Kleineren der beiden auf die Glatze. Der kühle Gebirgswind wehte uns ohne Kaffeepause wieder hinab und nach Unterwiesenthal, wo wir brav das linke Knie beugten und im kurzen Anstieg zum Roten Vorwerk die Hotelburg des Oberwiesenthaler Skisprungflohs passierten.

- Rotes Vorwerk
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Schmal und schnell pfeift die Abfahrt über die "Vierenstraße" um Vorderrad und Ohren, wobei wir souverän alle Gelegenheiten ausschlugen, einige bunte Anoraks, die in Meindl-Tracht mit großen Augen unschlüssig in der Flugbahn standen, zu erlegen. Wir schlagen über Cranzahl und Bärenstein einen abenteuerlichen Haken, um nur die alte Kühberger Paßstraße nicht zu verpassen, die ich doch unbedingt mal chelms 25er Ritzel vorführen wollte.

- Kühberg
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Es läuft bei 18% in der Spitze aber doch bei allen viel zu gut, so daß uns auf den knapp 300 hm nach Jöhstadt nichts gelegener kommt als ein unerkannter Radfahrer, der sich etwas vor uns in den Anstieg begeben hatte. Wir tauschen beim mißtrauisch werdenden Stoffwechsel größere Kontingente Glykogen gegen Laktat und klettern mit knapp 1300 hm/h nach oben...aber die Beute entgeht uns knapp. Sehr anständig!

- Jöhstadt
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Bejar bat mich, die nun leider auf dem Weg herumliegenden 100-200-Höhenmeterhügelchen doch bitte entsprechend ihrem Stellenwert unerwähnt zu lassen. Also hofften wir, daß unsere Waden sie ebenso übersehen würden und hügelten uns in diesen narrativen Leerstellen mit größter Vorfreude nach Geyersdorf. Ausrufe des Frohlockens waren noch für einige Sekunden zu hören, als das Pesometer das erste Mal bei 21% jubilierte. "Früher" (TM) wußte man eben noch, wie man eine Straße in den Hang legte. Schurgerade und ohne diesen Serpentinenquatsch der uns begleitenden Hauptstraße, deren Einladung wir mit unverrückbarem Irrsinn ausschlugen. Aber es kam, natürlich, noch besser. Viel besser!
Der Große Ullle hatte Kopfsteinpflaster auf die Straße geworfen. Und weil sich das bei 14% noch immer zu gut fuhr, erhöhte er den Gradienten erneut auf 20%, legte eine feine Kiesspur zwischen die jetzt schmalen Streifen immer lieblicher werdender Katzenköpfe. Als auch das nicht genügte, zog er in seiner unermesslichen Weisheit Regenrinnen über die paradiesische Himmelsleiter. Es war uns ein unerreichtes Vergnügen, von einem Stein auf den nächsten, der ja schon wieder zwei Meter höher dem Treiben gelangweilt zusah, zu springen und dabei den Hintern schön auf dem Sattel zu belassen, damit dem Hinterrad nicht vor Übermut der Gummi anbrenne.
Staunend betrachteten Wanderer die Schafsnote in unseren Gesichtern und hatten auch die Muße, uns aufmunternd das baldige Ende der Passion zu verkünden. Aber weit gefehlt...denn nach kurzer Flachpassage biegen die Ritter ohne Ritzel und Verstand auf die Fahrstraße zum Pöhlberg ein, die noch einmal bei 11% im Schnitt den Waden schmeichelt.

- Pöhlberg
Wir befüllen die überhitzen Sachsen und ihre Bidons in Annaberg-Buchholz mit frischem Elektrolyt und stiefeln der nächsten Gemeinheit entgegen. Von Frohnau nach Dörfel verzichtet diesmal eine "Hauptstraße" in nominaler Mimikry auf jede Kurve und treibt bei erneut 18% das Laktat aus den Poren.

- Dörfel
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Inzwischen laktatfrei und deshalb ohne Schmerzen kurbeln die Beinchen über 12 Kilometer in die nächste wellige Leerstelle, bevor sich das Fenster zum Erzgebirge, der schwerste Anstieg Sachsens, in den Weg legte...oder besser...mutwillig in den Weg gelegt wurde. Als Einziger kannte ich den
Teufelstein, als Einziger war ich hier schon einmal (mit 39x27) abgestiegen. Heute also fuhren wir mit sparsam bezahnten Heldenkurbeln in die zunächst flachen (9-12%) ersten 1500 m des Anstiegs. Blind vor dem Appetit auf Salitepunkte ignoriert man zwei Verbotsschilder und steht nach einer Rechtskurve in einer Hauswand, der sie einen Straßennamen verpaßt haben. Da biegen sich Mensch und Material und...endlich...auch der Gradient nach letztem Aufbäumen nach unten.
Wir rasen trunkene Fußballfans umkurvend zurück nach Aue, wo uns freundliche Polizisten nahe legen, doch auf die Zugfahrt mit 150 bunt gekleideten Berlinern nach Zwickau zu verzichten. Wieso eigentlich, fragen wir uns, scheitert inzwischen fast jedes größere Radrennvorhaben an fehlenden Streckenabsperrungen und der Bezahlung unserer grünen Freunde, während die Ballschupser die Ordnungsmacht kostenfrei (und vermutlich nicht selten unerwünscht) vor die Nase gesetzt bekommen. Einfach, der gemeine Radsportfan ist schlicht zu nett und gut erzogen, schlägt sich nicht, trinkt bemitleidenswert mäßig (außer in Belgien) und gibt wenig Anlaß, zum Schutz der Allgemeinheit in dunkelgrünen Hundertschaften auszurücken. Also, beratschlagen wir, müßte man eine Agentur für Miet-Hools gründen, die ganz nach Bedarf für "Stimmung" bei den Radrennen sorgen würden. Eine solche betriebene Imagearbeit am Radsportfan scheint uns die Lösung für die Renn-Diaspora in Deutschland zu sein.
Na ja...wir stellen wild Kreuzvergleiche von erreichter Atmungsvertiefung (

), dem Fahrplan der Bahn und der erwünschten Entfernung zum nächsten Bahnhof an und entscheiden uns für die Weiterfahrt nach Chemnitz. Eine gute Entscheidung, weil Charlie sich emsig vor unser Lycrawürmchen setzte und sich auf den 32 Kilometern lediglich 400 hm auf der B169 in den Weg warfen.
Episch, eben.

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