Da habt ihr nun meinen Senf
Sehr "gewohnungsbeduerftig" fand ich die Stunden vor der eigentlichen Veranstaltung. Die Hinfahrt nach Soelden am Freitag Nachmittag bei ca. 35grad war anstrengend, am Samstag Mittag begann es zu gewittern und zu hageln, die Temperatur viel auf 3Grad.
Auf dem Campingplatz wurden Daunenjacken und Wintermuetzen getragen. Am Nachmittag zog dann das groebste aus dem Tal, die Sonne zeigte sich wieder und keine 300hm ueber uns waren die Berge in ein frisches Weiss gepudert.
Schneebedeckte Autos kreuzten durch Soelden. Und am Sonntag sollte wirklich-wirklich Kaiserwetter werden????
4:30Uhr klingelte der Wecker, 1.5 Grad zeigte das Thermometer, die Autos auf dem Campground waren mit einer Eisschicht ueberzogen. Toll!
Was nur anziehen? So richtig alte Klamotten, z.b. Blaumann oder Lackiererschutzanzug hatte ich in Erwartung besseren Wetters nicht mitgenommen ;o(
Also, Knielinge, winddichte Ueberschuhe, Armlinge, Wind-Regen-Jacke und ein Buff mussten es richten.
Im Gegensatz zu Bergfloh und Crishi hatte ich mich mental auf eine "ruhige RTF" eingestellt, auch wenn einige hier im Forum versuchten Druck aufzubauen und mich zur Raserei verleiten wollten ;o)
Um das Thema Zwischenzeiten, Distanzen und Hoehenmeter hab ich mir ueberhaupt keine Gedanken gemacht, einzig die Warnung vor dem Timmelsjoch schwebte im Unterbewusstsein mit.
Ich war Oetzi-Ersttaeter, kannte aber alle Paesse von frueheren "Expeditionen", leider aber von der falschen Seite.
Nun, ich "musste" also nicht schon eine Stunde vor Start in die Kaelte, sondern wartete mit meine GenussteamKollegen bis wenige Minuten vor Beginn der Hatz im waermenden Bus.
Dann rollten wir ans hintere Ende der Meute und draengelten uns noch ein paar Meter vor. Den Startschuss haben wir gar nicht mitbekommen, irgendwann setzte sich der kollektiv frierende Haufen zaeh in Bewegung.
Bis Oetz hatte wohl jeder mit beschlagenen Brillen und kalten Fingern zu tun, insgesamt wurde sehr defensiv gefahren. Beim Aufstieg zum Kuehtai blieb das gefuerchtete Stop&Go aus, dennoch fand ich es schwer einen gleichmaessigen Rhythmus zu finden.
Es herrscht ja die einhellige Meinung unter den ambitionierten Oetziteilnehmern, dass man den Kuehtai voll fahren muss, um vor der Brennerpassage eine schnelle Gruppe zu erwischen.
Kann man machen, muss man aber nicht. Ich bin mit 120er Puls seeehr gemuetlich den Kuehtai hoch, 1h:17m. Hauptsache nicht verrueckt machen lassen und wohlmoeglich ueberdrehen! Die Abfahrt nach Innsbruck war saukalt, ich konnte es aber gut laufen lassen.
Ungluecklicherweise verlief die Brennergruppenbildung sub-optimal, anfangs waren wir nur zu fuenft, natuerlich war ein fauler Italiener mit dabei, der nie seine Nase in den Wind halten wollte. Hauptsache die Haare schoen.
Auf ca. der Haelfte zum Brenner wurden wir von hinten aufgerollt. Gut, ich konnte mich etwas ausruhen; schlecht, das Tempo blieb recht niedrig.
Die Brennerlabe habe ich ausgiebig genutzt. Wasserreserven wurden aufgefrischt und lecker Kaesebrote vertilgt. Dazu ein paar Bananen fuer die Unterwegsverpflegung eingepackt und ab gings Richtung Sterzing.
Beim Aufstieg zum Jaufenpass hatte ich meinen Flow gefunden, total lockere Beine, Kraft ohne Ende. Mit 70er Cadenz, 155er Puls bin ich foermlich hochgeflogen. Inkl. 7min Rast brauchte ich 1h:16min.
An der Labe kurz unterhalb des Jaufenpasses beging ich wohl den Fehler des Tages. Anstelle auf altbewaehrte Getraenke wie Wasser oder Cola zu vertrauen, experimentierte ich mit einem halben Liter Redbull, dazu Frischkaesebrote und Kuchen.
Nach dieser Press-Fress-Orgie fuehlte ich einen gewissen Auswurf-Stimmulus.
St.Leonhard empfing mich mit mediteraner Hitze, die Uhr zeigte 30Grad. Mir war unertraeglich warm und ich hab transpiriert wie Pferd. Der lange Aufstieg zum Timmelsjoch begann, genau wie meine Leiden. Recht schnell begriff ich, dass ich a. zu wenig und b. falsch getrunken hatte. Verfluchtes Redbullgezeux!
Kraempfe kuendigten sich an, zuerst leichtes Beissen in den Obeschenkel. Spaeter heftige Kraempfe in den Unterarmen. Also, Regel Nummer eins: Ruhe bewahren!!! Locker werden, Druck vom Pedal, Cadenz erhoehen. Und wenig aber haeufiger trinken.
Langsam aber stetig wurde ich von meinen Mitstreitern wieder ueberrollt, das fand ich sehr deprimierend.
Trotz laengerer FutterPause, Spontan-Magnesium-Therapie und Lockerungsuebungen an der letzten Labe in Schoenau war der grosse Dampf raus, bis zum Ende des Timmelsjochs konnte ich keinen WunschDruck mehr aufbauen. Die Lockerheit war weg.
Waehrend ich so vor mich hinkurbelte genoss ich die spektakulaere Aussicht auf die Gletscher, erfreute mich an den Schneeresten des Vortages und erreichte leicht gequaelt das Joch. In Summe 2h:22min, ganz schoen schlecht

(
Aber eigentlich wollte ich gar nicht gegen die Uhr fahren! Das ist vlt. auch der Grund warum ich nicht so euphorisch bin, ob der doch guten Zielzeit von fast 9 Stunden und 2 Minuten.
Hauptsache alle sind heil angekommen, haben gefinished und ihren Spass gehabt.
Uns Ulle hab ich auch gesehen, allerdings erst auf der Abendveranstaltung. Und nein, das Taetigen von Ablichtungen und dererlei aehnliche Belaestigungen habe ich unterlassen.
In dem Sinne, Sport frei!
ciao rix