Die grünen Startnummern am Schluß waren - nunja - gewöhnungsbedürftig

. Wie hätte man das besser lösen können? Zu unterschiedlichen Zeiten starten

?
Dann mal hier noch der Bericht aus Startblock C:
Fakten, die die Zeit vor dem Rennen betreffenNormalerweise sind 59,90€ Startgebühr für ein 105km Rennen ja durchaus als nicht-billig zu bezeichnen.
Da ich aber
- die Rennen in Göttingen und Frankfurt fahrlässigerweise ausgelassen hatte und damit "Startgeld-Budget" übrig hatte
- Berlin von Leipzig nicht so weit weg ist sowie
- ich in Berlin Aussicht auf kostenlose Übernachtung nur 3,26km weg vom Start hatte,
entschloß ich mich kurzfristig doch zur Teilnahme am erstmalig stattfindenden Škoda Velothon in Berlin am 25. Mai 2008.
Dummerweise konnte ich vor dem Rennen nicht wirklich sinnvoll trainieren, da mein Hinterrad noch an der schweren Verletzung von den Neuseenclassics 2 Wochen zuvor laborierte

. Zum Glück war es am 23. Mai aber wieder genesen, gerade noch rechtzeitig

.
Am 24. Mai ging es dann in der Fahrgemeinschaft dank Rudi

am Nachmittag per Auto nach Berlin, direkt in die Innenstadt zur Startnummern-Abholung. Die Abholung befand sich auf dem Dach(!) der ortsansässigen Karstadt-Sport-Filiale. Man mußte sich 2 Stockwerke durch das Gebäude nach oben drängeln - vorbei an strategisch günstig platzierten Energieriegeln, Gels und diversen Pülverchen, die wohl die Kauflust der ambitionierten Jedermänner anregen sollten :fg:.
Die Abholung selbst ging überraschend professionell und schnell über die Bühne; keine stundenlangen Wartezeiten, wie wir aufgrund der immensen Starterzahl befürchten mußten.
(Vor dem) StartAm 25. Mai, also dem Renntag, klingelt 7:39 Uhr pünktlich das Handy. Problem ist - wie so oft - die korrekte Kleiderwahl: Sonnig ist's draußen, aber frisch; aber sie haben für den Nachmittag(?!) auch über +20°C angekündigt. Aus dem Fenster sehe ich unten bereits einige Rennfahrer in verschiedenen Kleider-Kombinationen zum Start fahren. Ich entscheide mich schließlich nach reiflicher Überlegung für kurzes Trikot/lange Hose.
Ca. 8:21 Uhr fahre ich schließlich selbst los zum Start; angenehm, wenn man nur ca. 3,26km bis dahin zurücklegen muß

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In Berlin ist die Kulisse nicht minder beeindruckend als in Dresden: In geringer Entfernung zum Start befinden sich der Hauptbahnhof, die Spree, die Siegessäule, der Bundestag sowie das Kanzleramt (hab' ich was vergessen?). Der Start selbst findet auf der berühmten Straße des 17. Juni, die im Brandenburger Tor "mündet", statt

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Meine bei der Anmeldung übermütig angegebenen 38 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit (ich bin bis dahin noch nie in einem Rennen so schnell gefahren :schwitz: ) führen dazu, daß ich im Startblock C starte - der letzte Startblock, der noch gleichzeitig mit A und B starten darf

. Meine geplante Taktik ist eine Mischung aus
1.) mal vorsichtig gucken, wie das hier auf dem (großteils) Stadtkurs abläuft
2.) Sightseeing-Tour und
3.) dennoch halbwegs zügig fahren.
9:02 Uhr geht es dann pünktlich los. Ist schon ein besonderes Gefühl, mit ca. 9999 weiteren Startern (die 3700 Leute von der 60km Kinderrunde starten gleichzeitig) durch's Brandenburger Tor zu rollen

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55,2km mitten durch die StadtAuf der berühmten Straße "Unter den Linden" finde ich mich bereits in einem einzigen, relativ unüberschaubaren Gewimmel von überholten und überholenden Fahrern vor. Nach wenigen Kilometern nach-Vorne-Fahrens meine ich, eine einigermaßen passende Position im Feld(?) gefunden zu haben und lasse mich vorerst dort "häuslich nieder".
Wo genau/an welcher Position ich mich im Rennen befinde - keine Ahnung, es ist schlicht nicht ersichtlich. Vermutlich müßte ich bis ganz nach vorne fahren, um es herauszufinden. Aber ich habe heute etwas schwere Beine, kenne die Strecke nicht, will keinen Sturz riskieren sowie bin etwas müde, also wird zunächst 1.) in Verbindung mit 2.) (s.o.) realisiert

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Ein Blick auf die Startnummern der umgebenden Fahrer (viele aus dem B-Block; einige aus A und C) sowie ab und zu auf den Tacho (z.B 48 km/h auf dem berühmten Kurfürstendamm) läßt mich vermuten, daß ich trotz meiner eher verhaltenen Fahrweise nicht gar zu abgeschlagen liege.
Dann geht es durch Charlottenburg und Wilmersdorf, u.a. auf der Königsallee. Das muß hier irgendwo Villenviertel sein; die mitlesenden Berliner werden es genau wissen

. An einem kurzen "Anstieg" in dieser Phase sehe ich, daß anscheinend ein ca. 300m langes Loch nach vorn zu einer weiteren Gruppe (der Spitze mit Barus?

) besteht. Ich habe aber aktuell keine Lust (und Kraft

), das Loch zuzufahren - sollen das doch die anwesenden Berliner tun

. Aber es gelingt offensichtlich, soweit ich das mitbekomme, nicht. Naja, vielleicht ist die wahre Spitzengruppe des Rennens ohnehin schon viel weiter weg...
Der Kurs schlängelt sich nun im weiteren Verlauf u.a. durch die Stadtteile Zehlendorf, Steglitz, Lankwitz, Britz. Meist auf breiten (ich hatte hier Schlimmeres, d.h. Schmaleres, befürchtet), teilweise etwas rumpeligen (aber keineswegs furchtbar schlagloch-übersäten) Straßen; mit einigen nicht zu vermeidenden Kurven, Einengungen sowie (zum Glück nicht so häufigen) Schienen-Querungen. Das Tempo liegt meist irgendwo - je nach Windrichtung - zwischen 35 und 50 km/h. Für mich ist es aufgrund meiner Streckenunkenntnis teilweise schon etwas anstrengend, da ich in vielen Kurven zu zaghaft fahre und hinterher teilweise unnötig im Wind stehe und der Ziehharmonika-Effekt unbarmherzig zuschlägt. Die Verpflegung beim LIDL bei km 40,4 wird von einem Großteil des Feldes ausgelassen. Kurz danach (oder doch davor?) sehe ich die ersten Fahrer aus dem D-Block neben mir auftauchen, die 2 Minuten später als A/B/C gestartet sind - beachtlich!
Wir rasen in der Folge am Alexanderplatz vorbei; ich erblicke irgendwo den Fernsehturm; kurz darauf geht es auf der anderen Seite der Spree ganz in der Nähe der bereits erwähnten Sehenswürdigkeiten im Start-/Ziel-Bereich vorbei.
Das Tempo/Renngeschehen ist oft immer noch hinreichend schnell/hektisch, daß ich es durchaus als "anstrengend" bezeichnen würde.
Feldertrennung/mal kurz aus der Stadt rausAm großen Kreisverkehr am Ernst-Reuther-Platz erfolgt die Feldertrennung. Die Fahrer der Kinderstrecke biegen nach links ab in Richtung Ziel, während der Großteil der Fahrer die lange Route nach rechts wählt.
Der Vorgang der Feldertrennung selbst ist als geradezu vorbildlich zu bezeichnen: Zahlreiche orange leuchtende Hinweis-Schilder am Straßenrand; dazu Lautsprecher-Durchsagen sinngemäß:
"Achtung: die Fahrer der 105-km Strecke mit den blauen Nummern bitte rechts einordnen, die 60km-Fahrer mit grünen Nummern bitte links" :daumen: .
Nach der Streckentrennung beruhigt sich das Renngeschehen meinem Gerühl nach etwas; vor allem nicht mehr so arg hektisch. Es geht auf der Otto-Suhr-Allee und
Nonnendammallee in Richtung der Stadtteile Siemensstadt und schließlich Tegel. Auf der Heiligenseestraße und Henningsdorfer Straße verlassen wir, durch eine Art Wald fahrend, die Stadt Berlin in Richtung Henningsdorf. Mittlerweile finde ich die Fahrt hier bei ca. 43 km/h richtig idyllisch

. In Henningsdorf dann die "Kehrtwende", und es geht zurück Richtung Berlin. Das Tempo könnte nun meinem Gefühl nach ruhig mal etwas höher sein; das Feld "staut" sich teilweise regelrecht. In Anbetracht meiner Streckenunkenntnis belasse ich es vorerst dabei, ab und zu ein paar Positionen nach vorn zu "sprinten". Wenn das nicht mehr schneller wird, werde ich wenige Kilometer vorm Ziel vielleicht doch noch mal nach vorn gehen und etwas das Tempo anziehen

.
Wieder in BerlinDaß wir wieder in Berlin sind und uns mehr und mehr dem Stadtzentrum nähern, erkennt man an schließlich den sich wieder häufenden Kurven sowie dem Tachostand, der bei ca. km 90 steht - noch 15 km.
Irgendwo überqueren wir mit sagenhaften 32km/h eine Autobahnbrücke; ich muß bergauf bremsen, um meinen Vorderleuten nicht hintenreinzufahren :stupid: . Die Straße ist mittlerweile ziemlich "verstopft"

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Fahrt bis zum/durchs Ziel, 105 kmKurz darauf erreichen wir die
Nonnendammallee (s.o.). Hier bietet sich ein für mich durchaus neues Erlebnis: Auf der Gegenfahrbahn fahren, durch Pylonen abgetrennt, weitere 105km-Fahrer herum, die noch die Runde durch Henningsdorf vor sich haben. Anscheinend sind einige meiner Vorderleute von diesem Spektakel so beeindruckt, daß das Tempo nun vollends nach unten absackt (teilweise auf 35 km/h - im Flachen

). Ich würde, angesichts von nur noch 6km bis zum Ziel und noch zahlreicher körperinterner Reserven, nun doch gern mal etwas nach vorn/schneller fahren - aber daran ist aufgrund des "stockenden Verkehrs" nicht zu denken

. Man fühlt sich teilweise an eine Autofahrt auf der A9 im Baustellenbereich in der Ferienzeit erinnert...
So geht es - nun quasi im reinen Touristenmodus

angelangt - auf die letzten Kilometer. Am Ernst-Reuther-Platz 2km vor dem Ziel wird die Situation vollends unübersichtlich, da nun die grünen Startnummern von der Kinderstrecke von links zu uns stoßen. Immerhin wird dieser Vorgang erneut per Hinweisschildern und Lautsprecher angekündigt. Auf der ewig langen Zielgerade (Straße des 17. Juni) gibt es dennoch einige haarige (aber abzusehende) Situationen aufgrund hoher Geschwindigkeitsdifferenzen.
Irgendwann finde ich endlich eine passende Lücke im Getümmel, kann mich einer kleinen Gruppe blauer Nummern anschließen, und rolle um 11:35:26,81 Uhr durchs Ziel. Mittlerweile ist es doch recht warm geworden.
Zeit: 2:30:49,77
Platz: 421 (von 5194 gewerteten Fahrern)
Schnitt: 40,8
Nach dem Ziel/SonstigesAuf dem Weg zur Transponderrückgabe gibt es erwartungsgemäß etwas Stau, aber es geht doch überraschend schnell über die Bühne. Zusätzlich gibt's noch eine Medaille. (Andere Mitglieder des Forums erhalten aufgrund ihrer Leistung sogar noch weitere Trophähen

- wär' ich mal zur Siegerehrung gegangen...).
Die Verpflegung im Ziel bietet prinzipiell die Möglichkeit, die 59,90€ Startgeld komplett wieder reinzuholen

. Es gibt Wasser, Wasser mit Pulver, Orangen, Gels, Bananen und Kekse. Eine der Keksschachteln verdrücke ich komplett allein.
Sonstiges:
- Die Organisation des Rennens ist alles in allem als sehr gut bezeichnen; insbesondere Absperrungen, Ankündigung der Streckenteilung.
- Erwartungsgemäß gab es an der Strecke viel Zuschauerandrang
- kein Wunder bei einem fast reinen "Stadtrennen".
- Von 1 kleiner und 1 großer Trinkflasche habe ich nur die 1 große getrunken. Die Riegel hätte ich ganz zu Hause lassen können. Nicht richtig angestrengt?

- Hat schon jemand weitere offizielle Fotos vom Rennen gefunden?
- Wenn es im nächsten Jahr vielleicht ein bißchen weniger Startgeld kostet, oder es einen "Team-Rabatt" gibt, werde ich u.U. wieder starten. Hat mir trotz fehlender Berge gut gefallen.
- Die lange Hose hätte ich mir vielleicht sparen können.