Dann will ich mal versuchen die Ereignisse der letzten Tage zusammenzufassen:
Der Unfall:
Am Mi, den 27.7. war wieder "Tempelrennen" angesagt. Es war das erste Rennen nach dem 6-Tagerennen und ich fühlte mich mittlerweile recht heimisch auf der Bahn. Eine gewisse Vorfreude war schon den ganzen Tag zu spüren.

Bei den ersten beiden Wertungen sprintete ich noch munter mit, merkte aber schnell, dass es für weitere Attacken viel zu warm ist und der Pollenflug mir im oberen Drehzahlbereich reichlich zusetzte. Im Feld "mitrollen" war aber weiterhin möglich. In Runde 70 wurde dann eingangs der Zielkurve eine derbe Welle gefahren, die ich nur aus dem Augenwinkel wahrnahm. Ich war zu diesem Zeitpunkt im unteren Bereich der Kurve am Hinterrad von Keller. Der musste aufgrund des ungestümen Manövers hart bremsen und nach links ausweichen. Ich wich auch aus, konnte aber nicht schnell genug weg, sodass die Speichen meines Vorderrades in den Schnellspanner von Kellers Hinterrad kamen. Mein Vorderrad blockierte sofort und ich ging über den Lenker. Die Landung erfolgte unsanft auf Kopf, Schulter und Rücken. Schmerz und erst einmal liegen bleiben, durch-atmen! Im Gegensatz zum letzten Sturz 6 Wochen vorher habe ich dieses mal alles "mitgeschnitten" und kann mich rel. gut erinnern... Hilfe von Frau Götze, einem Senior, einem Speiche-Fahrer, Charlie und Chrissi kam schnell. Peso orderte mir ein "Taxi" (=Kristin) in die Notaufnahme.
Die Diagnose:
In der Notfallaufnahme wurde geröntgt und S43.1 = Schultereckgelenksprengung diagnostiziert. Also zumindest nix gebrochen, versuche ich mir Mut zu machen. Die Diagnose kam mir bekannt vor, also rief ich Mi67 an und er gab mir die entscheidenden Tipps für die nächsten Schritte.
Im Krankenhaus:
Die 2-Tight-Rope OP in Berlin sollte es auch bei mir werden. Dabei werden die gerissenen Bänder in der Schulter durch hochfeste Nylonfäden ersetzt und so das Schlüsselbein wieder in die vorgesehene Position gebracht. Am Donnerstag klingelte ich also bei den Schulterexperten in der Charitè sturm und ich hatte Glück: Freitag 9Uhr konnte ich den vor-stationären Teil absolvieren und danach stand mein OP-Termin für Montag 7Uhr fest. Das hieß, dass mich mein Bruder, der mich schon am Freitag gefahren hat, ca. 4Uhr in Leipzig abholte und pünktlich 6Uhr konnte ich Meldung auf Station 16 machen. Ich bekam mein Leibchen an, ne Beruhigungspille und dann ging es irgendwann runter in den OP. Halb benebelt und bereits das Brennen des Narkosemittels im linken Arm spürend, hörte ich den Anästhesisten noch sagen: "Den ISK (=Schmerzkatheter, um den Nerv zur Schulter/Arm lokal zu betäuben) brauchen "wir" nicht - das geht auch ohne..." - Rückblickend aus meiner Sicht eine Fehlentscheidung!
Dunkelheit.
Nach der OP:
Aufwachraum. Es ist hell. Ich kann die Uhr sehen: 9Uhr. Ok, der Schmerz kommt von der rechten Schulter - also wurde schon mal an der richtigen Stelle operiert, denke ich mir noch so

Alle weiteren Gedanken der nächsten 5h drehen sich nur um Schmerz! Alle paar Minuten fragt mich jemand wie das Schmerzlevel ist auf einer Skala von 0-9. Hmm, was heißt 9? Ich versuche es mal mit 6. Ich bekomme Schmerzmittel und dämmere immer mal wieder weg. In regelmäßigen Abständen wiederholt sich die Frage. Der Pegel steigt jedoch 7 ... 8 - die 9 hebe ich mir mal noch auf. Nach 4h habe ich nach Aussage der Ärzte alles "was gut und teuer ist" intus und die Ärzte geben auf - nix hilft! Also muss doch der Nerv betäubt werden, wie man es ursprünglich geplant hatte. Es funktioniert! Fast sofort bin ich schmerzfrei und das nach 4,5h! Ich will den Arzt umarmen! Nach 5h im Aufwachraum geht es im gefühlten Ralleytempo auf Station. Normalerweise ist man wohl ca. 2h im Aufwachraum ...
Auf Station:
Die Betäubung des Nervs war leider nur von kurzer Dauer (ca. 6h). Gegen 18Uhr ging die Suche nach einem wirksamen Schmerzmittel weiter. Ein Tropf nach dem anderen wurde angeschlossen. Dämmerzustände und Übelkeit wechselten sich ab. Ich kaute paralysiert an einer trockenen Schnitte. Ich war mittlerweile wieder bei Level 7-8 angelangt. Gegen 1Uhr Nachts war endlich ein Arzt da, der härtere Mittel autorisierte. Der nächste Tropf mit "-morphin" im Namen, brachte endlich wieder 3h Ruhe. Am morgen gab es die Codeinphosphat/Paracetamol "Forte" Pillen, die
auch Mi67 schon kennengelernt hatte. Übelkeit, Matschbirne und keine nennenswerte Schmerzreduzierung. Zum Mittag bestellen mein Zimmergenosse und ich uns neue Pillen. Aber das Spiel geht die nächsten Tage weiter mit Tendenz zu einer leichten Verbesserung. Seit der Nacht von Mi-Do sind die Schmerzen langsam im Griff - zumindest 3-4h Schlaf/Nacht sind nun drin und ich werde am Do nach Hause entlassen.
Nachbehandlung:
Freitag stelle ich mich im Uniklinikum Leipzig vor und bekomme Physiotherapie verschrieben. Es geht nun von Tag zu Tag besser. Mein Pillencocktail von 4 verschiedenen Schmerzmitteln reduziere ich Schritt für Schritt. Mittlerweile reicht wieder Voltaren.
Diesen Montag und Mittwoch gab es die ersten beiden Einheiten auf der Rolle und kommenden Freitag werden die Fäden gezogen.
Fazit:
So ein Sturz kann einem ganz schön das Leben durcheinander bringen. Man lernt mit links Zähne zu putzen und ist plötzlich Experte, was Schmerzmittel angeht. Man kommt nat. auch ins Grübeln, ob Rennen fahren, das alles Wert ist... Heute, als Zuschauer auf der Bahn und die vielen positiven Erinnerungen lassen das Pendel aber so langsam wieder in Richtung "ja" ausschwenken!
