Trainingslager Gardasee oder: Meine ersten Pässe....

Hier kannst du reinschreiben, was du auf deinen Touren alles erlebt hast
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Joseph
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Re: Trainingslager Gardasee oder: Meine ersten Pässe....

Beitrag von Joseph » Di 9. Sep 2008, 18:28

na wenn du dich am gardasee schon nach deiner winterkleidung sehnst, wie soll das erst in den dolos werden. wir waren in der vergangenen woche oben, hatte 10 grad und weniger und immer mal wieder einen schönen landregen. macht sich auf abfahrten gut :-)

aber nun zurück: erweiterte sella-runde - das klingt spannend. wie willst du sie denn erweitern? über den falzarego statt den campolongo? kann ich empfehlen, ist eine viel schönere strecke.
oder bist du mutig und fährst den fedaia? dann viel spass und spar dir kräft für die letzten 4 kilometer :-)Also von 10 Grad konnte ich am Sonntag am Passo Menghen nur träumen. Das waren leider nur 5 und auf den letzten Kilometern hat es geschüttet. Bin gerade in Corvora angekommen. Super Wetter. Werde von hier morgen erst Richtung Stern / La Villa fahren, also den Campolongo tatsächlich nicht fahren. Dafür steht dann der Valparola auf dem Programm. Dann geht es weiter mit Passo Pordoi, Sellajoch und Grödnerjoch.

Den Fedaia kenn ich gar nicht. Mal schaun, bin ja zwei Tage hier. Und ich brauch am Ende vor allem Kraft für den Berg zum Hotel zurück. Ich weiss nicht, wieso meine Schwester das ausgesucht hat. Ist zwar sehr nett, aber von der Ortsmitte hier hin, sind es locker noch mal 100 hm. Na toll....:-)

Wo habt ihr denn gewohnt und was seid ihr so gefahren?

j.

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Joseph
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Re: Trainingslager Gardasee oder: Meine ersten Pässe....

Beitrag von Joseph » Di 9. Sep 2008, 18:31

litemoo hat geschrieben:kurze frage um dich und deinen leistungstand etwas besser einzuschätzen (und dann mit dem eigenen zu vergleichen):

wie sieht deine vorbereitung aus, sprich wieviel km hast du schon gemacht in 2008 und 2007? und was für touren/rennen?


edit: das lob hab ich ganz vergessen: schöne berichte! :)
Also 2007 war bei mir fast ein Radfreies Jahr. Ich schätze mal mehr als 1000 km waren es nicht. 2008 bin ich erst im Mai gestartet. Habe bis hier hin so 3100 km gehabt. Höhenmeter weiss ich gar nicht. Nicht viel, aber gerade in den Wochen vor meinem Urlaub fast nur Muldental gefahren. Ich habe es hier sehr ruhig angehen lassen. Und bin damit gut gefahren. Kein Ausfall und alle Berge geschafft. Und am nächsten Tag hatte ich auch keine Schmerzen.

:D

j.

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Re: Trainingslager Gardasee oder: Meine ersten Pässe....

Beitrag von Gebirgsrenner » Di 9. Sep 2008, 18:48

schau mal hier: hier steht alles drin

4_Tage_und_15_Paesse


und wenn du schon in der gegend bist, dann nimm den fedaia mit. der ist zwar hart, aber beeindruckend. kannst du bequem integrieren in eine erweiterte sella-runde.

Ich fahre...

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Joseph
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Re: Trainingslager Gardasee oder: Meine ersten Pässe....

Beitrag von Joseph » Di 9. Sep 2008, 18:50

Tour Nr.3: Monte Bondone plus grosses Extra

Draussen scheint die Sonne, da muss ich einfach wieder aufs Rad. Egal was die Beine sagen. Und es soll hoch hinaus gehen. Okay, es geht ?nur? auf 1650 Meter rauf, aber der Anstieg auf den Monte Bondone ist 20 Kilometer lang und bietet 1500 Höhenmeter am Stück.

Und wenn schon, dann natürlich die Seite, die schon die Profis beim Giro hoch sind. Von Trento aus. Um noch ein paar Kilometer zu gewinnen, will ich von Levico Terme (im Val Sugana) starten. Mit dem Auto geht es über die Autobahn ins Etschtal Richtung Brenner. Leider nicht ganz so früh, wie geplant. Nach 80 Kilometern verlasse ich so gegen 10.30 Uhr bei Trento die Autobahn. Über die S47 geht es nach Levico Terme ins Val Sugana (östlich von Trento). Als ich aus dem Tunnel ins Tal fahre, der erste kleine Schock: Dunkle Wolken und es ist locker ein paar Grad kühler, als im Etschtal. Schon bezweifle ich meine Entscheidung, doch Levico entschädigt etwas.

Ein kleiner sehr niedlicher Ort. Leider mit vielen Einbahnstrassen - noch mehr als Halle. ;-) Auf einem Parkplatz lasse ich mein Auto hoffentlich sicher stehen und los geht es. Zum Anstieg nach Trento sind es 29 Kilometer. Nett zum einrollen und meine Beine können warm werden.

Von Levico geht es nach Caldonazzo und dann über Vigolo Vattaro. Von dort geht es in einer tollen Abfahrt auf guter und breiter Strasse nach Trento. Hier darf man schon mal einen Blick auf den Monto Bondone wagen - wenn man sich dann traut. Irgendwie denke ich mir: wird schon nicht so schlimm, kann es ja langsam angehen lassen. :-)

In Trento versuch ich so lange wie möglich die Schnellstrasse S45 zu vermeiden. Plötzlich steigt mir der Geruch von Fruchtsaft in die Nase. Sehr lecker und kein Wunder. Passiere gerade die riesige Fabrik von Trento Fruits, wo in dem Moment wohl die gesamte Obsternte der Gegend verarbeitet wird. Ich schlage mich weiter durch den Verkehr, es geht über die Adige und dann liegt er schon vor mir: Der Anstieg. Ein kurzes Stück muss ich dann doch noch über die Schnellstrasse, dann geht es nach links in den Berg. Irgendwie habe ich mich ja schon immer früher gefragt: Wie geht es eigentlich dann immer los, wann merkt man den Start? Zumindest beim Mondone: SOFORT! Bei mir passiert dann alles gleichzeitig. Ruhe geniessen, aufs nächst kleine Ritzel schalten, Tempo rausnehmen. Unten hat man immer einen schönen Blick auf Trento - wenn man ihn dann geniessen kann. Keine Frage, es ist wieder hart, aber es fährt sich trotzdem schön.
Da es heute aber viel heisser ist, als zum Monte Baldo hoch, trinke ich viel mehr. Schon merke ich auch, wie ich automatisch die Schattenstellen anfahre - auch wenn sie mal auf der Gegenspur liegen. Als mein Wasservorrat - zwei Flaschen   750 ml - dann langsam zu neige gehen, denk ich mir noch nix böses. Auf der Karte waren doch so viele Orte eingetragen, da finde ich schon was. Von wegen. Alles Ski-Orte. Ich fahre durch Geister-Orte. Nichts. Kein offenes Lokal, keine Bar, kein Hotel nix hat offen. Verrammelt und Verriegelt. Verdammt. Jetzt habe ich echt ein Problem. Meine einzige Alternative: Ich muss bei einem Privathaus fragen. Doch leichter gedacht, als getan. Hier scheint alles nur für die Ski-Gäste zu sein. Da endlich, sehe ich ein Auto vor einem Haus. Als ich mich vorsichtigen Schrittes nähere, stösst plötzlich ein blauer Besen aus einem Fenster heraus. Doch die Attacke gilt nicht mir, nur dem Sommer-Staub. Hier wird wohl gerade für die ersten Gäste gereinigt. Zwei ältere Frauen unterhalten sich in der Küche und reagieren sofort auf mein ?Bon Giorno?. Als ich in wackeligen Italienisch versuche meinen Wunsch nach Wasser vorzutragen, fragt mich Frau 1: ?Deutsch??. Ich nicke. Sie nur ?Piano!? Dann versteh ich, dass ich wohl nicht der erste durstige Radfahrer sein muss, denn sie verlangt sofort nach meinen Trinkflaschen um sie dann mit leckerem und kühlen Wasser zu füllen. Ich bedanke mich artig, doch die Damen sind schon wieder bei ihrem Staub. Nach kräftigen Schlücken fühle ich mich für die restlichen 10 Kilometer gut gerüstet. Leider war es nur Wasser, ich hätte ?mehr? Hilfe gebrauchen können. Denn es wird doch schon immer härter und richtig bitter kalt. So weiter ich komme, so heftiger weht mir ein eisiger Wind entgegen. Ski-Gebiet halt, denke ich. Vergebens hoffe ich auf etwaige Mitstreiter. Keine Sau fährt hier hoch. Später treffe ich auf der Gegenseite Unmengen von Radfahrern. Ob Zufall oder doch die Wahl es ?einfacheren? Aufstiegs? Ich mag es nicht beurteilen.

Egal. Die letzten Kehren stehen an und mittlerweile ist es so kalt, dass ich zur Windweste greife. Aber die Kehren sind toll. Jetzt verstehe ich, wieso einige von der kurvenreichsten Auffahrt in den Alpen sprechen. Es sollen 38 Tornatis sein. Mitgezählt habe ich nicht. :-). Schön ist, dass der Belag super ist. Fast überall neu. Nur schade, dass deshalb die Giro-Fan-Schriftzüge verschwunden sind. Hatte ich mich doch drauf gefreut.

Mittlerweile will die Anzeige nicht unter die 10 klettern. Ich muss beissen und das 27er wird mein ständiger Begleiter. Ich hoffe nur, dass oben wenigstens ein Restaurant offen hat. Ohne Essen verlasse ich den verdammten Berg nicht. Dann ist er unvermittelt da. Ich komme um eine Rechtskurve, will eigentlich noch weiter fahren, da sehe ich das ?Charly Gaul?-Gedenk-Plakat und weiss: Ich bin oben. Irgendwie möchte man ja instinktiv die Arme hoch reissen, aber ich lass es lieber. Erstens bin ich dafür zu fertig und dann stehen da so cool aussehende Motorradfahrer, die mich eh schon sehr verwundert ansehen. ?Hey?, denke ich, ?dass ist doch Radfahrer-Terrain! Wieso gucken mich so viele wie einen Marsmenschen an??

Egal. Auf der Terrasse einer Bar treffe ich auf einen italienischen Kollegen. Der hat seine Pause schon hinter sich und ich blicke etwas neidisch auf seine ausgeprägte Kälte-Ausrüstung für die Abfahrt. Mir schlottern schon jetzt vor Kälte die Knie. Englisch spricht er nicht, aber die Frage nach meiner Zeit, versteh ich leider trotzdem. Ich antworte - versucht ausweichend - auf Englisch. Leider lässt er sich nicht abwimmeln. Ich soll es auf der Uhr zeigen. Na toll. Eine Antwort bekomme ich nicht, was ja vieles klar macht. Der Mann ist locker 50 und am Anstieg hätte ich ihn wohl nur zu Beginn gesehen. Egal, ich bin oben. Und jetzt hole ich mir meine Belohnung. Naja, sie fällt etwas mager aus. Ein Sandwich und drei (!!) Cola. Ich hatte halt Durst. ;-)

Meine Armlinge versuch ich derweil in der Sonne zu trocknen. Sie sind in der Trikottasche völlig nass geworden. Dafür muss ich echt ne Lösung finden! Das ist so einfach Mist. Hat einer Tipps?

Dann geht es in die Abfahrt. Die ist toll. Irre Aussicht und gute Strassen. Ein Rausch. 20 Kilometer runter nach Aldeno. Und jetzt kommt leider der schwierige und nicht so geplante Teil der Tour. Das ?grosse Extra?. Weil ich ja so hart und cool sein wollte, andere würden es einfach Übermut nennen, musste ich ja von Levico starten. Und da ich nicht den gleichen Rück- wie Hinweg nehmen wollte, habe ich meinen Rückweg über einen anderen Berg geplant. Natürlich im festen Glauben, es sind nicht viel mehr Höhenmeter, als hin. Ich bin so ein Idiot. Und toll, dass meine Garminkarte (City Europe) Routing-fähig ist. Aber Höhenmeter wären wichtiger. Was nun kommt, war eine irre Qual. Von Aldeno fahre ich weiter südlich bis kurz vor Rovereto. Dann geht es über Autobahn und Fluss nach Calliano. Netter Ort, nette Sportbar, wo ich noch eine Cola nehme und meine Wasserflaschen auffülle. Dann geht es in den Anstieg Folgaria. Was für eine Fahrt. Noch mal fast 1200 Höhenmeter am Stück. Und steil. Lasst euch von mir nie, aber auch nie eine Route planen. Oder rechnet immer ?ein wenig? mehr ein. Ich konnte ko...! Auch nett. In einem der Steilstücke plötzlich ein Verkehrsstau. Ich also raus aus den Pedalen und bei 11% neben schiebenden Autos wieder rein. Toller Spass. Bis Folgaria zähle versuch ich mich im runterzählen der Kilometer. Fest im Glauben, wenn ich dort bin, ist es geschafft. Stimmt auch, aber nur kurz. Denn als ich das Richtungsschild ?Passo Sommo? sehe, ahnt mir böses. Und tatsächlich. Es geht noch weiter rauf. So langsam wird mir mulmig, denn es wird schon wieder spät und die Notbeleuchtung möchte ich nicht unbedingt auf Härte ausprobieren wollen. Kurz vor der Passhöhe kehre ich noch mal in einer Bar ein. Wieder diese komischen Blicke. Also entweder sehe ich total fertig aus, oder aber die verstehen uns nicht. Für das Refugio an er Passhöhe bleibt keine Zeit, für ein Foto schon. Dann geht es runter. Das macht auch hier richtig Spass. Nur auf den letzten Kilometern schickt mich Garmin über irgendeinen Nebenweg. Žste, Steine, Dunkelheit im Wald schieben meinen Puls wieder hoch. Aber ich komme heil runter. Dann noch ein paar Kilometer bis Levico. Und jetzt noch ein selbst-gelegtes Ei: Mein Parkplatz war zwar toll und auch sicher. Leider aber geht es noch mal mit 10% im Ort hoch. Ja, nur 300 Meter - aber jetzt reicht es mir wirklich. 120 Km, 3100 Höhenmeter. Ich kann es kaum glauben. Nur meine Schwester kann die Freude nicht ganz nachvollziehen. Wieder bin ich erst sehr spät zum Essen da. Und dann muss sie sich noch die ganze Zeit meine Tourberichte anhören. Die Žrmste. Da muss wohl ein tolles Geschenk zum Abschluss her. ;-) :meise: :meise:
Blick%20auf%20Trento.jpg Blick%20auf%20Bondone.jpg Schild%20Trento.jpg Kehre%20Bondone.jpg Kehren%20Bondone.jpg Monte%20Bondone.jpg Lift.jpg Abfahrt%20Bondone.jpg Gaul.jpg Stau%20bei%2011%20Prozent.jpg Parkplatz.jpg Passo%20Sommo.jpg

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Re: Trainingslager Gardasee oder: Meine ersten Pässe....

Beitrag von Gebirgsrenner » Di 9. Sep 2008, 18:56

Joseph hat geschrieben:Meine Armlinge versuch ich derweil in der Sonne zu trocknen. Sie sind in der Trikottasche völlig nass geworden. Dafür muss ich echt ne Lösung finden! Das ist so einfach Mist. Hat einer Tipps?
Ein kleiner Rucksack. Ich weiss, behindert ein bisschen berghoch. Aber die Sachen bleiben trocken.

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Re: Trainingslager Gardasee oder: Meine ersten Pässe....

Beitrag von Frank » Di 9. Sep 2008, 19:47

wirklich schöne touren, die du da fährst ;)

schick doch dann mal die edge-aufzeichnungen an die Streckendatenbank, dann kann man die touren nachfahren, wenn man mal in der Gegend ist

ach so, der Link zu www.alpentouren.de zeigt nur einen blauen Bildschirm :augenreib:
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Re: Trainingslager Gardasee oder: Meine ersten Pässe....

Beitrag von peso » Di 9. Sep 2008, 20:35

Frank,

http://www.alpenrennradtouren.de/

:)

Und ja, die Aufzeichnungen wollen wir haben.
Reißbrett 2016

"Ich bin in diesem Jahr auf noch keiner Ausfahrt schneller als 24 km/h im Schnitt gewesen." (Anonymer Radfahrer, 2005)

"Treffpunkt ist jedenfalls 05:30 an der Uniklinik." (Good old Times)

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Re: Trainingslager Gardasee oder: Meine ersten Pässe....

Beitrag von susiroubaix » Di 9. Sep 2008, 20:35

Hach ist das schön... Ich möchte auch sofort wieder da hin.

Ich bin ja nur einen winzigen Bruchteil der Touren gefahren, aber einige markante Punkte erkenne ich wieder. Die Stelle mit dem 16% Schild hoch zum Monte Baldo ist schon fies :D

@Frank
Versuchs mal mit www.alpenrennradtouren.de
K%FChe_am_Berg.jpg
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Re: Trainingslager Gardasee oder: Meine ersten Pässe....

Beitrag von Frank » Di 9. Sep 2008, 20:48

susiroubaix hat geschrieben:@Frank
Versuchs mal mit www.alpenrennradtouren.de
da ist wohl das "rennrad" verlorengegangen :gruebel:
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Re: Trainingslager Gardasee oder: Meine ersten Pässe....

Beitrag von Joseph » Di 9. Sep 2008, 20:52

Tour Nr. 4: Monte Baldo-Höhenstrasse mit einem schrecklichen Ende...

Ruhetag 3 (Freitag) hatte ich gestern mit einer guten Massage begonnen. Danach faul rumgelegen und in Verona an der Piazza vor der Arena Berichte geschrieben. Wirklich nett. Da ich für das Wochenende zwei Touren hintereinander geplant habe, will ich es heute (Samstag) nicht ganz so hart angehen. Tse, eigentlich müsste ich ja wissen, wo so was endet.....

Auf dem Plan steht wieder ein Tipp von der guten Alpentouren DVD. Die Monte Baldo Höhenstrasse. Eigentlich soll die Fahrt in Torbole losgehen. Aber ich habe keine Lust auf die Autofahrt dahin und fahre deshalb zum ersten mal direkt mit dem Rad von meiner Schwester von Lazise los. Man o man, was ist die Fahrt am See doch für viele ein Schaulaufen. Leute, das ist ja schlimmer als in der Startaufstellung vor einem Jedermanrennen. Gegrüsst wird kaum, dafür mehr Kraft gezeigt. Als mich an einem Kreisverkehr in Richtung Garda zwei Italiener - und na klar, im selbstgekauften Teamtrikot - überholen wollen, habe ich die Schnauze voll. Da ich hier noch nie schauen konnte, wo ich denn so stehe, lass ich mich nicht abhängen. Ist jetzt auch nicht so schwierig. Es geht mit munteren 37 - 40 weiter. Um keinen falschen Eindruck zu erwecken, fahre ich so mit 10 Meter Abstand. Abhauen können sie mir erst, als sie sich in Garda wie Wahnsinnige zwischen die Autos quetschen. Danke, das brauch ich nicht. Meine Knochen sind mir zu wertvoll und ich schicke lieber Aussichtsfotos als Röntgenbilder. :D


Für mich geht es in Garda eh rechts nach Costermano und dann weiter nach Caprino, wo der Anstieg auf den Baldo beginnt. Bis dahin fährt es sich schön mit Rückenwind und bei tollem Sonnenschein. Endlich habe ich mal Chance etwas Farbe zu bekommen. :-)

Und schon höre ich mich wieder hochschalten. Ein Schluck Wasser (heute wird penibel drauf geachtet) dann geht es los. Und siehe da, es läuft gut. So gut, dass der Verstand hängen bleibt und ich mich getrübt dazu hinreissen lasse, wieder etwas runterzuschalten und mit mehr Tempo hochzufahren. So lasse ich zwar einige Radler hinter mir, aber nach ein paar Kilometern bereue ich es schon. Nach dem ich den nächsten überholt habe, warte ich noch die nächste Kehre ab und - als er mich nicht sieht ;-) - schalte ich wieder zur Erholung hoch. Puh, das tut gut. Nach kurzer Phase bin ich wieder fit. In Spiazzi mache ich trotzdem kurz Rast und gönne mir in der Sonne eine Cola. Zwar überholen mich ein paar wieder, aber nur um wenige Meter weiter selber zu rasten. Ich fahre wieder los und freue mich über eine kurze Zwischenabfahrt, rase am Ende in das nächste Dorf. Am Gegenanstieg, gehe ich kräftestrotzend aus dem Sattel um das Tempo zu halten. Ich bemerke verwunderte Blicke von stehenden Radfahrern. Und hinter der nächsten Kurve weiss ich auch wieso: Ein 15% Schild bremst all meine Tempogier.
Okay, davon stand aber nix im Routenbericht. Also, wieder rauf auf die kleinen Gänge und los geht es. Es ist Wahnsinn. Die Meter gehen nicht vorbei. Mein Garmin zählt zwar von 15 wieder runter, aber irgendwie ist er dann wohl kaputt. Bei 11 bleibt er konstant stehen. Erst nach weiteren unzähligen Metern, sinkt es auf dann schon fast erholsame 9 Prozent. Ich rolle weiter hoch und nun beschäftigt mich nur noch ein Gedanke: In der Beschreibung hatte etwas von 19 Prozent Schlussanstieg gestanden. Hatte sich der Autor vielleicht vertan? Hatte ich es vielleicht jetzt schon geschafft? Oh man, wie naiv man am Berg doch wird. Ich nehme es vorweg: Nur ich hatte mich geirrt! Das dicke Ende kam noch. Und nicht genug. Was unten noch locker mit so 7 - 9 rollte, wurde nun immer heftiger. Immer öfter tauchte auf dem Display eine 10 oder 12 auf. Die neu geteerte Strasse verschwamm schon langsam vor meinen Augen, als ich endlich so was, wie eine Ebene sah. Ja, wenn man so 6 % flach nennen will...;-). Und da stand ES dann auch. Das Schild mit der 19%. Für mich höchste Zeit zu stoppen. Hier versperrte auch keine Kehre den Blick auf die Steigung. Hier lag alles offen zu sehen. Hinter mir tauchte der vor kurzem überholte Mountainbiker auf. Er hielt etwa 30 Meter hinter mir, sah das Schild und stieg ab. Ich habe ihn dann später auch nicht mehr gesehen...

Da langes Warten den Berg ja auch nicht flacher macht, bin ich dann los. Sehr ehrfurchtsvoll in dessen, was mich da wohl erwarten würde. Es war dann hart und meine TF sank ab auf unter 60, aber irgendwie war es auch wie eine Abi-Klausur. Vorher hat man unglaubliche Angst, doch danach, war es dann doch nichts Unüberwindbares. :anbetung:

Und auch den Anstieg schaffte ich. Kaputt ja, aber ich fuhr noch. Der Ausblick entschädigte mal wieder für vieles. Und auf der Höhenstrasse kann man ihn ständig geniessen. Wirklich eine Tour wert. Ein paar Kilometer dann das alte Problem. Die Strasse war durch den Erdrutsch gesperrt. Ich stärkte mich in einer netten Berghütte mit Käse, Wurst und Cola. Gestört wurde ich nur durch das ortsansässige Pony. Wenn nicht bei den anderen, dann versuchte es bei mir doch immer wieder vom Teller zu essen. Nur eindeutige Körperberührungen konnten es davon abbringen. Als Ersatz leckte es dann doch tatsächlich mein Ritzel ab. Unglaublich. Aber richtig toll war es wohl nicht. Nach ein, zwei mal Schlecken, liess es ab. Ob ich vielleicht doch das Dura-Ace hätte montiert sollen..? ;-)

Nach der Pause entschied ich mich zur Umkehr. Die Abfahrt nach Avio und anschliessende Fahrt durch das Etschtal lockten mich nicht so, wie der Gedanke an die tolle Abfahrt zurück. Und so konnte ich die Tour dann auch wieder ohne Auto beenden. Über Torbole zurück, wäre zu viel gewesen. So konnte ich mich über die 19% in die andere Richtung freuen. Welche ein Genuss. Und eine Lehrstunde in Abfahrt auf italienisch. Unterwegs treffe ich auf einen einheimischen Radfahrer. Zuerst rasen wir zusammen runter, dann will er mir wohl zeigen, dass dies hier sein Berg ist. Ich komme um eine Kehre und weg ist er! Ich denk noch, okay, er ist abgebogen. Aber dann sehe ich ihn weiter vorne. Nur komisch: Zwischen uns sind jetzt zwei Autos! Und kurz darauf versteh ich: Der überholt ein Auto nach dem anderen. Rast also da mal locker mit 80 runter. Danke. Nix für mich. Ja, ihr fahrt auch so schnell. Aber ich kenn mich hier nicht aus und das letzte Risiko geh ich auch nicht. Also, lass ich es für mich schnell genug rollen. :D

Irgendwie ging es dann auch ganz schnell und ich war wieder am See. Von Garda ging es dann zurück nach Lazise.
Zwischenstopp auf offener Strasse. Über dem See probte die italienische Kunstflug-Düsenjet-Staffel für einen Auftritt am nächsten Tag. Irgendwie verrückt. Vor ein paar Tagen waren in Deutschland die Zeitungen voll mit Berichten über den 20 Jahrestag des Unglücks von Ramstein und nun musste ich miterleben, wie genau die Staffel, die damals verunglückte hier verrückte, aber auch wirklich total verrückte Manöver flog. Ich konnte nur mit dem Kopf schütteln. Und schon beim Zuschauen bekam man richtig Angst. Jedes mal dachte ich ganz fest: Da muss doch was passieren. Ist es zum Glück nicht, dafür kurz danach meinem Fahrrad.

Die Nummer verdient echt einen eigenen Absatz. Da rolle ich doch gemütlich und mich richtig gutfühlend nach Lazise zurück. Statt links zu meiner Schwester abzubiegen, fahre ich rechts in den Ort. Eine Abschluss-Cola am Ufer sollte noch drin sein. Weil nette Verbots-Schilder es nicht erlaubten mein Rad direkt neben meinen Tisch zu stellen, stand es gut und - wie ich dachte - auch sicher an einem massiven Laternenmast. Und dann passierte, womit ich nun wirklich nie gerechnet hätte. Nachdem schon wirklich unzählige an dem Rad vorbei gegangen waren, ohne dass sie es berühten, muss eine Dame so um die 60 wohl gedacht haben: Mein Platz! Auf jeden Fall haute sie mein Rad um, schreckte zwar kurz hoch, aber aufhalten konnte und wollte sie die Katastrophe wohl nicht: Mein geliebtes Rennrad kippte um und ich sah es nur noch die Kaimauer herunterfallen.
:meise:

Ja, ihr habt richtig gelesen. Es fiel vor meinen Augen ins Wasser. Ich sprang hoch, lief hin und dachte schon: Dass war es. Das siehst du nie wieder. Doch tatsächlich schwamm es noch an der Oberfläche. Wildes Geschrei. Die Dame zuckte nur mit den Achseln, drehte sich um und ging! Ich schrie ihr was zu, und drehte mich verzweifelt zu meinem Rad um. Das Hinterrad bewegte sich nun bedrohlich Richtung Untergrund. Plötzlich standen die zwei Franzosen vom Nachbartisch neben mir. Offenbar auch Radlieblinge. Den Wert der da untergehende Ware einschätzend besorgten sie - woher auch immer - in windeseile eine Stange. Mit der griff er nach dem Vorderrad. Das einzige Teil was noch oben schwamm. Der Rest tauchte mittlerweile wie die Titanic nach unten. Zwar wollte ich alles dransetzen, das Rad zu bergen, als der Franzose dann aber den Haken der Stange an die Speichen anlegte, schritt ich dann doch ein. Er nahm eine weniger empfindlichere Stelle und dann zog ich das Rad hoch. Oh Gott. Ich kann gar nicht mehr beschreiben, was ich fühlte. Vor mir lief das Wasser des Gardasees aus dem Rahmen und überall hing Seetang. Es war schrecklich. Die Menschenmenge, die sich natürlich schnell gebildet hatte, löste sich wieder auf. Klar, die Show war vorüber und den bemitleidenden Anblick wollte niemand sehen. Schließlich war ja Urlaub. Immerhin erlaubte mir der Barbesitzer jetzt endlich mein Rad an seine Mauer zu stellen. Ich bestellte noch eine Cola und musste mich erstmal setzten. Es war zum heulen. Da schaffe ich es unbeschadet Berge hoch und runter zu fahren und dann passiert so was. Nennt mich unvorsichtig, aber damit rechnet doch niemand.

Wenigsten war ich so schlau gewesen und den Garmin an meinen Tisch zu nehmen, sonst hätte es sich wohl nun ausgeroutet...

Am Abend baute ich alles auseinander. Sogar in den Laufrädern waren Unmengen an Wasser. Trotzdem habe ich bisher keinen offensichtlichen Schaden bemerken können.
Tipps zur speziellen ?Nach-Unter-Tauchen-Wartung? sind willkommen. ;-)

Was mich nicht wundert, DIESER Tour-Bericht hat meine Schwester zur Abwechslung mal richtig gut unterhalten. Ihr Lachen wurde nur unterbrochen, vom ständigen ?Oh Gott, es tut mir so leid, aber es ist aber auch wirklich zum....?. Ja, ich weiss, zum Lachen. Danke.

:anbetung:
Enzo%20Ferari.jpg 15%20Prozent.jpg 19%20Prozent.jpg Aussicht%20Baldo-2.jpg Letzten%20Meter%2019%25.jpg Aussicht%20Baldo.jpg Aussicht%20Baldo-5.jpg Aussicht%20Baldo-3.jpg Pony.jpg R%FCckblick%20auf%2019.jpg Aussicht%20Baldo-4.jpg

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