Kein Abschluß...

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peso
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Re: Kein Abschluß...

Beitrag von peso » Mo 3. Mai 2010, 09:45

mi67 hat geschrieben: @ a): Wenn ich in meiner beruflichen Tätigkeit vorsätzlich täusche und Mist mache, dann bin ich lebenslang gesperrt! Nur so viel zum Punkt "nicht durchsetzbar".
Wenn du dich etwa in einer wissenschaftlichen Arbeit auf der bösen Seite zum Plagiat der Ergebnisse eines Kollegen bedienen solltest, gibt es einen Dachverband, der dir die Ausübung in deinem Berufsumfeld verbietet? Auch als "wissenschaftlicher Wasserträger" wirst du keine Anstellung mehr erhalten, weil du dich vertraglich (nicht nur gegenüber deinem Arbeitgeber) auf ein solches Sanktionspaket hast verpflichten lassen?

Es ist wohl vielmehr so, daß dich kaum jemand mehr einstellen mag, weil du gegen einen ethischen Kodex (mit einigen juristischen Implikationen) verstoßen hast, dein Ruf einigermaßen ruiniert ist. Aber eine kodifizierte, gerichtsfeste, quasi lebenslang effektive Sperrung durch welchen Organisationsbund auch immer wird es auch nicht geben...oder?

Der geständige Radprofi verstößt genauso gegen das Berufsethos und wird in Folge genauso gemieden und seiner beruflichen Perspektive enthoben. Dem ersten Fehler, sich erwischen zu lassen, folgte der zweite, auch noch darüber zu reden. Ich weiß schon, Ist-Zustand...

Aber es ist für den Profi schlicht unerheblich, ob er nun von der UCI die nächsten 10 Jahre keine Lizenz mehr erhält, oder ob die Kollegen ihm nach der Dopingbeichte keine Anstellung mehr ermöglichen, ihn wie Simeoni öffentlich maßregeln und mobben bzw. von Kameras unbemerkt im Straßengraben "entsorgen".

Wenn sich die Vertriebskanäle inzwischen zumindest teilweise von den großen Dopingnetzwerken hin zu privater Beschaffung bei "befreundeten" Apothekern etc. verschoben haben, halte ich auch ein Austrocknen der Angebotsseite für unrealistisch. Zumal sich die Zahl der überführten Profis, die dazu beitragen könnten, ohnehin auf niedrigstem Niveau weiterbewegen wird.
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"Ich bin in diesem Jahr auf noch keiner Ausfahrt schneller als 24 km/h im Schnitt gewesen." (Anonymer Radfahrer, 2005)

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Re: Kein Abschluß...

Beitrag von mi67 » Mo 3. Mai 2010, 10:09

peso hat geschrieben:Es ist wohl vielmehr so, daß dich kaum jemand mehr einstellen mag, weil du gegen einen ethischen Kodex (mit einigen juristischen Implikationen) verstoßen hast, dein Ruf einigermaßen ruiniert ist. Aber eine kodifizierte, gerichtsfeste, quasi lebenslang effektive Sperrung durch welchen Organisationsbund auch immer wird es auch nicht geben...oder?
Ähm, doch, die gibt es.

Der geständige Radprofi verstößt genauso gegen das Berufsethos und wird in Folge genauso gemieden und seiner beruflichen Perspektive enthoben. Dem ersten Fehler, sich erwischen zu lassen, folgte der zweite, auch noch darüber zu reden. Ich weiß schon, Ist-Zustand...
Aber es ist für den Profi schlicht unerheblich, ob er nun von der UCI die nächsten 10 Jahre keine Lizenz mehr erhält, oder ob die Kollegen ihm nach der Dopingbeichte keine Anstellung mehr ermöglichen, ihn wie Simeoni öffentlich maßregeln und mobben bzw. von Kameras unbemerkt im Straßengraben "entsorgen".
Die Zahl der Comebacks ist derzeit bei Informationsverweigerern so niedrig nicht. Sie gehört m.E. auf 0,x % abgesenkt, dabei aber meinethalben gerne einen "beschleunigten Wiedereinstieg" für Plaudertaschen. Dann erst kann man über weiteres reden.
Wenn sich die Vertriebskanäle inzwischen zumindest teilweise von den großen Dopingnetzwerken hin zu privater Beschaffung bei "befreundeten" Apothekern etc. verschoben haben, halte ich auch ein Austrocknen der Angebotsseite für unrealistisch. Zumal sich die Zahl der überführten Profis, die dazu beitragen könnten, ohnehin auf niedrigstem Niveau weiterbewegen wird.
Du meinst also, die Dopingkontrollen befördern nur eine so geringen Prozentsatz an Verstößen ans Tageslicht, dass das System sich in aufsteigende clevere Doper und absteigende erfolglose Saubermänner unweigerlich selbst stabilisiert? Ein solches Szenario ist wohl leider ziemlich realistisch.

Wenn sich unter Apothekern herumspricht, dass diesem und jenem Kollegen die Zulassung entzogen wurde, dann könnte die Angst um sich greifen und das System schon mal irgendwann bröckeln. Die Startbedingungen dafür müssen aber erst geschaffen werden.

Denk´ mal daran, wie viele zig Millionen € hinterzogene Steuern plötzlich per Selbstanzeige ans Tageslicht kamen, nur weil die Sicherheit, in der sich die Kandidaten wähnten, langsamm rissig wurde. Auch Systeme können kippen, die Aufgabe besteht lediglich darin, den wirksamen Hebel zu finden.

Edith: ich selber bin noch nicht ganz von der Hoffnungslosigkeit eines solchen Versuches überzeugt - eine Erfolgsgarantie gibt es freilich nicht. Möglicherweise steigen in der Konsequenz auch einfach nur die Schwarzmarktpreise für das Zeug.
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Re: Kein Abschluß...

Beitrag von pappie » Mo 3. Mai 2010, 14:27

ich kann mich absolut nicht vorstellen, wie dieses system brökeln soll. wird der eine apotheker gesperrt, folgt ein anderer (genauso wie bei den fahrern). aus angst wird nur ein geringer teil aufhören, da es einfach um viel zu viel geld geht. und wenn, dann nimmt (wie gesagt) ein anderer den posten ein.
Zuletzt geändert von pappie am Mo 3. Mai 2010, 14:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kein Abschluß...

Beitrag von peso » Mo 3. Mai 2010, 14:50

mi67 hat geschrieben:
peso hat geschrieben:Es ist wohl vielmehr so, daß dich kaum jemand mehr einstellen mag, weil du gegen einen ethischen Kodex (mit einigen juristischen Implikationen) verstoßen hast, dein Ruf einigermaßen ruiniert ist. Aber eine kodifizierte, gerichtsfeste, quasi lebenslang effektive Sperrung durch welchen Organisationsbund auch immer wird es auch nicht geben...oder?
Ähm, doch, die gibt es.
Einigen wir uns auf ein "Unter Umständen"? Im Moment sind die juristischen Grundlagen für ein Verbot der Berufsausübung über einen solch langen Zeitraum meiner Meinung nach nicht gegeben. Es fehlt vor allem an der Strafbarkeit des Deliktes. Es ist ja auch kein Zufall, daß sich die vorübergehende Einschränkung der Berufsausübung etwa in der Niederlassungsfreiheit von Ärzten auf einen Zeitraum erstreckt, der dem einer Dopingsperre erwischter Sportler ähnelt. Aber ich bin auch kein Jurist, habe mir lediglich die Situation als einigermaßen komplex schildern lassen.

Die Zahl der Comebacks ist derzeit bei Informationsverweigerern so niedrig nicht. Sie gehört m.E. auf 0,x % abgesenkt, dabei aber meinethalben gerne einen "beschleunigten Wiedereinstieg" für Plaudertaschen. Dann erst kann man über weiteres reden.
Der Wiedereinstieg von Plaudertaschen funktioniert nicht. Das ist das eigentliche Problem.
Du meinst also, die Dopingkontrollen befördern nur eine so geringen Prozentsatz an Verstößen ans Tageslicht, dass das System sich in aufsteigende clevere Doper und absteigende erfolglose Saubermänner unweigerlich selbst stabilisiert? Ein solches Szenario ist wohl leider ziemlich realistisch.
Das aktuelle Kontrollregime hat, das sehe ich ähnlich wie Frei, das (natürlich auch nur imaginierte) "Gleichgewicht" im Peloton zerstört. Ohne systematische Unterstützung des Teams und oder professioneller Leistungsverbesserer mit immensem finanziellen Aufwand, den sich eben nur die Topfahrer leisten können, bleibt den Helfern nur der Griff zum jahrezehntelang erprobten "Kleinkram". Mikrodosen mit EPO, Insulin, HGH, Testosteron etc. Es fehlt ihnen zudem die Möglichkeit, sich entsprechende Protektion, eine versehentlich zerstörte Blutprobe oder eine halbe Stunde in der Dusche vor Abgabe der Probe zu erkaufen. Das sah vor dem Aufkommen der großen Augenwischerei anders aus, als (beinahe) jeder mit 55% Hkt in die Berge gestürmt war.

Wenn sich unter Apothekern herumspricht, dass diesem und jenem Kollegen die Zulassung entzogen wurde, dann könnte die Angst um sich greifen und das System schon mal irgendwann bröckeln. Die Startbedingungen dafür müssen aber erst geschaffen werden.
Denk´ mal daran, wie viele zig Millionen € hinterzogene Steuern plötzlich per Selbstanzeige ans Tageslicht kamen, nur weil die Sicherheit, in der sich die Kandidaten wähnten, langsamm rissig wurde. Auch Systeme können kippen, die Aufgabe besteht lediglich darin, den wirksamen Hebel zu finden.
Selbst wenn ein solcher Erfolg der Ermittlungsbehörden ab und an verzeichnet werden kann, scheitert die konsequente Aufarbeitung und "Verfolgung" nicht zuletzt an den diversen nationalen sportpolitischen Interessen. Die Fuentesaffäre hat das ja sehr deutlich gezeigt. Den Verkauf von Medikamenten hinter dem Apothekentisch halte ich schlicht nicht für kontrollierbar. Bei gelegentlichen Nebenverdienern wird das kaum auffallen, bei den "Großen" der Branche ist man bereits tief im Drogenmilieu.
Edith: ich selber bin noch nicht ganz von der Hoffnungslosigkeit eines solchen Versuches überzeugt - eine Erfolgsgarantie gibt es freilich nicht. Möglicherweise steigen in der Konsequenz auch einfach nur die Schwarzmarktpreise für das Zeug.
Ich halt deinen "Hebel" ja durchaus für schwer und lang genug, um Ergebnisse zu erzielen. Ich bin mir nur nicht sicher, ob diese mit viel gutem Willen und heftig gedrückten Daumen vielleicht erreichbaren Ergebnisse den Schaden rechtfertigen, der im Verlauf entstehen wird. Gibt es überhaupt ein gesellschaftliches Interesse am ungedopten Hochleistungssport? Das Hauptinteresse sollte eigentlich bei den Sportlern liegen, aber die sind eben ganz tief in der Zwickmühle.
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Re: Kein Abschluß...

Beitrag von peso » Mo 3. Mai 2010, 14:57

Nur, damit wir den aktuellen Eiertanz nicht verpassen: Pellizotti out of Giro d'Italia for suspicious UCI Biological Passport values.
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Re: Kein Abschluß...

Beitrag von Winni » Mo 3. Mai 2010, 15:12

In jedem anderen Beruf ohne Helmpflicht hätte man ihn doch schon längst wegen seine Haarfrisur gefeuert.
:D
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Re: Kein Abschluß...

Beitrag von mi67 » Mo 3. Mai 2010, 15:40

peso hat geschrieben:Ich halt deinen "Hebel" ja durchaus für schwer und lang genug, um Ergebnisse zu erzielen. Ich bin mir nur nicht sicher, ob diese mit viel gutem Willen und heftig gedrückten Daumen vielleicht erreichbaren Ergebnisse den Schaden rechtfertigen, der im Verlauf entstehen wird. Gibt es überhaupt ein gesellschaftliches Interesse am ungedopten Hochleistungssport? Das Hauptinteresse sollte eigentlich bei den Sportlern liegen, aber die sind eben ganz tief in der Zwickmühle.
Du hast recht, in diesem Punkt muss man individuelle Meinungen, gesellschaftliche Interessen, Verbandsinteressen und "nationale Interessen" differenziert betrachten. Demnach stünde es (in meinen Augen) wohl in etwa 2:2. :raetsel:
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Re: Kein Abschluß...

Beitrag von bejar » Mo 3. Mai 2010, 17:48

und Valjavec soll auch dabei sein :( Interessant - zwei so erfahrene (in allen Bereichen) Athleten lassen sich erwischen :denk:

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Re: Kein Abschluß...

Beitrag von Frank » Di 4. Mai 2010, 14:16

Zitat aus:
"UCI suspendiert Pellizotti, Valjavec und Rosendo
Der nächste Tour-Bergkönig ist abgestürzt"

http://www.radsport-news.com/sport/sportnews_62590.htm

"....Mit dem 32 Jahre alten Pellizotti ist ein weiterer Tour-Bergkönig des Dopings überführt. Er reiht sich ein in eine namhafte Riege neben dem Franzosen Richard Virenque, dem Dänen Michael Rasmussen oder dem Österreicher Bernhard Kohl. Seit 1994 waren nur die beiden Franzosen Laurent Jalabert, Christophe Rinero und der Kolumbianer Maricio Soler nicht des Dopings überführt worden....."

wie man sieht, kann man auch ohne Doping das Berg-Trikot gewinnen :pfeif: :lol:
oder liegt die Betonung auf "nicht...überführt" :gruebel:
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Re: Kein Abschluß...

Beitrag von mi67 » Di 4. Mai 2010, 15:23

Bin ja selber eher auf der "scharfen Seite", aber der Fall Pechstein zeigt: es sollte zumindest bei der Indizienbeweisführung ein Restmisstrauen auch gegenüber dem Verfahren als solchem geäussert werden. Zumindest die Aussage "des Dopings überführt" sollte m.E. nur dann Anwendung finden, wenn auch tatsächlich die Dopingsubstanz als solche nachgewiesen werden konnte. Auffällige Blutwerte mögen in der Mehrzahl der Fälle Ausdruck eines (gut kaschierten) Dopings sein, aber die Beweiskraft ist nun mal keine absolute. Der nette Begriff der "Schutzsperre" ist da schon sehr fein gewählt.
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