mi67 hat geschrieben:peso hat geschrieben:Es ist wohl vielmehr so, daß dich kaum jemand mehr einstellen mag, weil du gegen einen ethischen Kodex (mit einigen juristischen Implikationen) verstoßen hast, dein Ruf einigermaßen ruiniert ist. Aber eine kodifizierte, gerichtsfeste, quasi lebenslang effektive Sperrung durch welchen Organisationsbund auch immer wird es auch nicht geben...oder?
Ähm, doch, die gibt es.
Einigen wir uns auf ein "Unter Umständen"? Im Moment sind die juristischen Grundlagen für ein Verbot der Berufsausübung über einen solch langen Zeitraum meiner Meinung nach nicht gegeben. Es fehlt vor allem an der Strafbarkeit des Deliktes. Es ist ja auch kein Zufall, daß sich die vorübergehende Einschränkung der Berufsausübung etwa in der Niederlassungsfreiheit von Ärzten auf einen Zeitraum erstreckt, der dem einer Dopingsperre erwischter Sportler ähnelt. Aber ich bin auch kein Jurist, habe mir lediglich die Situation als einigermaßen komplex schildern lassen.
Die Zahl der Comebacks ist derzeit bei Informationsverweigerern so niedrig nicht. Sie gehört m.E. auf 0,x % abgesenkt, dabei aber meinethalben gerne einen "beschleunigten Wiedereinstieg" für Plaudertaschen. Dann erst kann man über weiteres reden.
Der Wiedereinstieg von Plaudertaschen funktioniert nicht. Das ist das eigentliche Problem.
Du meinst also, die Dopingkontrollen befördern nur eine so geringen Prozentsatz an Verstößen ans Tageslicht, dass das System sich in aufsteigende clevere Doper und absteigende erfolglose Saubermänner unweigerlich selbst stabilisiert? Ein solches Szenario ist wohl leider ziemlich realistisch.
Das aktuelle Kontrollregime hat, das sehe ich ähnlich wie Frei, das (natürlich auch nur imaginierte) "Gleichgewicht" im Peloton zerstört. Ohne systematische Unterstützung des Teams und oder professioneller Leistungsverbesserer mit immensem finanziellen Aufwand, den sich eben nur die Topfahrer leisten können, bleibt den Helfern nur der Griff zum jahrezehntelang erprobten "Kleinkram". Mikrodosen mit EPO, Insulin, HGH, Testosteron etc. Es fehlt ihnen zudem die Möglichkeit, sich entsprechende Protektion, eine versehentlich zerstörte Blutprobe oder eine halbe Stunde in der Dusche vor Abgabe der Probe zu erkaufen. Das sah vor dem Aufkommen der großen Augenwischerei anders aus, als (beinahe) jeder mit 55% Hkt in die Berge gestürmt war.
Wenn sich unter Apothekern herumspricht, dass diesem und jenem Kollegen die Zulassung entzogen wurde, dann könnte die Angst um sich greifen und das System schon mal irgendwann bröckeln. Die Startbedingungen dafür müssen aber erst geschaffen werden.
Denk´ mal daran, wie viele zig Millionen € hinterzogene Steuern plötzlich per Selbstanzeige ans Tageslicht kamen, nur weil die Sicherheit, in der sich die Kandidaten wähnten, langsamm rissig wurde. Auch Systeme können kippen, die Aufgabe besteht lediglich darin, den wirksamen Hebel zu finden.
Selbst wenn ein solcher Erfolg der Ermittlungsbehörden ab und an verzeichnet werden kann, scheitert die konsequente Aufarbeitung und "Verfolgung" nicht zuletzt an den diversen nationalen sportpolitischen Interessen. Die Fuentesaffäre hat das ja sehr deutlich gezeigt. Den Verkauf von Medikamenten hinter dem Apothekentisch halte ich schlicht nicht für kontrollierbar. Bei gelegentlichen Nebenverdienern wird das kaum auffallen, bei den "Großen" der Branche ist man bereits tief im Drogenmilieu.
Edith: ich selber bin noch nicht ganz von der Hoffnungslosigkeit eines solchen Versuches überzeugt - eine Erfolgsgarantie gibt es freilich nicht. Möglicherweise steigen in der Konsequenz auch einfach nur die Schwarzmarktpreise für das Zeug.
Ich halt deinen "Hebel" ja durchaus für schwer und lang genug, um Ergebnisse zu erzielen. Ich bin mir nur nicht sicher, ob diese mit viel gutem Willen und heftig gedrückten Daumen vielleicht erreichbaren Ergebnisse den Schaden rechtfertigen, der im Verlauf entstehen wird. Gibt es überhaupt ein gesellschaftliches Interesse am ungedopten Hochleistungssport? Das Hauptinteresse sollte eigentlich bei den Sportlern liegen, aber die sind eben ganz tief in der Zwickmühle.