Heute endlich zu dritt in den einzig wahren Teil des Erzgebirges - den jenseits der deutsch-tschechischen Grenze. Mit der Bahn ging es bis Breitenbrunn und dort vom Bahnhof hübsch steil (16%) die Schachtstraße in den Ort hinein. Dann über die Kuppe und hinunter nach Rittersgrün und direkt in den 15-km-Anstieg zum Fichtelberg. Irgendwie merkt man durch die vielen kleinen Zwischenabfahrten und Flachstücke kaum, daß man beständig von 600 auf 1214 m steigt. Ich kann mich erinnern, daß ich mich bei meinem "ersten Mal" auf der "schweren Seite" des Fichtelberges gefragt hatte, wann denn der Anstieg endlich beginne - ein verwunderter Blick von links und dann auf den Höhenmesser: der zeigte schon 1000 m. Die 600m hinter Tellerhäuser fordern schon gute Nerven, wenn die Straße mit bis zu 13% fürchertlich geradeaus in den Himmel führt, aber es läßt sich doch recht angenehm fahren.
Vom Fichtelberg dann hinunter nach Bozi Dar, über die Grenze und in die steile Abfahrt, um endlich das "Projekt 90" erfolgreich zu beschließen. Es war mir wieder nicht vergönnt - ein roter Honda zuckelte bremsgummieverschleißend den Berg hinab und mir war bei den vielen Haarnadelkurven bis Jachymov das Überholen etwas zu heikel. Von Horni Zdar bis Damice freut man sich über die 2 m breiten Randstreifen auf der gefährlich gut ausgebauten E442 und biegt dann scharf links ab, um die Plackerei zu genießen, welche nach 20 km mit einem Blick vom Klinovec, dem höchsten Berg des Erzgebirges (1244m), belohnt wird. Die Straße befindet sich vor allem im unteren Drittel leider in bescheidenem Zustand - bergauf ist das kaum ein Problem, aber in der Abfahrt sieht man die zahlreichen Schlaglöcher nur sehr spät. Schön gleichmäßig mit 4-6% steigt man bis zum Meluzina (1094), verliert dann etwas an Höhe und begibt sich in das letzte Stück der Steigung, welches etwas (6-9%) steiler ist.
Jetzt heißt es, das Aluroß fest bei den Hörnern zu nehmen und den Hintern kniegefedert über dem Sattel schweben zu lassen - die Abfahrt nach Klasterec ist auf den ersten 15 km eine fürchterliche - zudem ordentlich steile - Buckelpiste. In Tschechien sind die Getränke an Tankstellen ja billiger als in Deutschland im Supermarkt, und so wurde beim Kauf zucker- und mineralienhaltiger Flüßigkeiten nicht gegeizt - schließlich stand als nächster Hügel der Mednik an. 10km mit 5,3% auf wiederum autoverlassener Straße, die jeden bayerischen Straßenbaumeister sofort in den Freitod treiben würde. Zudem kochte die Sonne erst unsere Hirne weich und dann die Asphaltflicken, welche sich klebrig auf die Reifen legten und zur allgemeinen Freude dann noch mit Splitt verbanden. Schöne Kombination! Übrigens - der Michelin zeigte sich weniger teeranfällig als die Contipneus.
In Medenec geht es dann 2,5 km auf dem Erzegebirgskamm bis Horni Halze, dort hinunter bis an die Ohre und auf der anderen Flußseite bis an den Rand des Militärgebietes in Okounov. Die vielleicht 120 hm wieder hinab nach Luzny und gleich rein in den schwersten Anstieg des Tages zurück nach Horni Halze. 8 km mit 7,2 % sind zu überwinden und vor allem die letzten 5 sind ordentlich schwer.
Schließlich wurde die Zeit etwas knapp und die Strecke deshalb verkürzt - es ging gleich nach Bärenstein, dort über die Grenze und dann in den Zug.
150 km / 3500 hm
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