Rund um das Rosendreieck, 22.08. 2010

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mi67
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Re: Rund um das Rosendreieck, 22.08. 2010

Beitrag von mi67 » So 22. Aug 2010, 19:53

Heute war in Thalheim-Oschatz mit Chrissi, Schum, Zoro, Cotopaxi, +1, Sebastian, einer weiteren Speiche und mir (habe ich jemanden vergessen?) mal wieder ein großer Leipziger Ansturm auf das Rennen „Rund um das Rosendreieck“, wobei ich der einzige war, der in die Seniorenklasse eingeordnet wurde. Auch auf bittende Nachfrage hin durfte ich nicht zu den Jüngeren melden.

Also musste ich als 67er-Jahrgang ins Seniorenrennen. Ganze 11 Mann stark ging man dabei auf die kurze Runde, deren erste Hälfte in kräftigem Gegenwind stand. Entsprechend war dann die Rückfahrt zu Start/Ziel eine nette Segelpartie. Was die Steigungen anging, waren die beiden einzigen sanften Anstiege jeweils hinter Kurven gelegen: hinter Start/Ziel und bei ca. 2/3 der Gegenwindstrecke.

Die Zusammensetzung war von FdJ-Profitrikots dominiert, deren Träger also ein Team (nur welches?) bildeten. Hinzu kamen noch ein Paar drahtig anmutende Mitstreiter mit Vereinstrikots. Die erste Runde wollten sich alle offenbar erst mal ansehen. Auffällig war aus meiner Sicht vor allem die Schleichfahrt, in der die Mitstreiter ihre Räder durch die Kurven trugen. Bei halbherzigen Zupfversuchen meinerseits sprang zunächst gleich das ganze Feld wieder heran. Also die Rückwindstrecke komplett von vorn gefahren, damit wenigstens die Kurvenein- und Ausfahrten mir gehörten und ich mit leichten Tritten nach den Kurven schon mal dem Rest, der viel langsamer durch die Kurven schlich, pro Kurve etwas schmerzhafte Beschleunigungsarbeit in der Ziehharmonika abfordern konnte.

So ging die 1. Runde ohne Entscheidendes vorbei und ich zog mich zu Beginn der 2. Runde an die 2./3. Position zurück. Erst an der folgenden Kurve ging ich wieder nach vorn, um im Rest der Gegenwindpassage zu versuchen, eine Fluchtgruppe zu organisieren. Also wieder hinter der Kurve ein Paar klarere Tritte und das Feld zerfiel. Kein Kleeblatt dabei, wohl aber ein Kollege aus Grimma. Ich frage ihn, ob wir durchziehen sollten, aber es kam keine akustische Antwort. Nur der Kopf pendelte ein deutliches neinneinnein ... ;) Also wieder herausgenommen. Jetzt ging es in wahrhaftem Schleichtempo durch den Rest des Gegenwind-Teils und im Mitwind begann ich wieder mit Gruppenorganisations-Versuchen, aber keiner war Willens oder in der Lage, sich seinerseits noch vom Feld zu lösen. Am Ende der 2. Runde lauerten 2 Rechtsknicke, die ich nochmals nutzen wollte. Wieder kam ich gut weg und ein Kleeblatt blieb mit geringer Distanz noch in Schlagweite hinter mir, als es nach Runde 2 durchs Ziel ging.

Am folgenden Mikro-Anstieg aber gab der Verfolger auf und liess sich ins noch nahe Peleton zurückfallen. Ich lag nun – viel zu früh eigentlich – alleine an der Spitze und fuhr so mehr ungewollt als gewollt bereits ab Beginn der 2. Runde alleine an der aufmunternd applaudierenden Gruppe von RRL und Speiche vorbei. Das verpflichtet! Also schoss ich nun alle Bedenken in den hier unangenehmen Gegenwind und regelte Zeitfahrlast ein. Das Feld verlor hinter mir sichtbar an Boden und mir wurde schnell klar, dass von hinten niemand mehr nachkommen wollte. Jetzt also gab es nur zwei Optionen. Entweder, ich reisse das Ding über 66% der Renndistanz alleine von vorn, oder man lässt mich vorn verhungern, um dann in Runde 4 oder 5 den Spiess umzudrehen. Die Rollen waren also klar verteilt und ich war entschlossen genug, die Meinige mit allen Konsequenzen zu spielen.

Der verwinkelte Kurs bot kaum Überblick, und Vorsprünge wurden nicht kommuniziert. Also hiess es bis in die letzte Runde hineinzudreschen, was das Zeug hielt. An den wenigen Ecken des Kurses, die eine Rückschau erlaubten, war bald keine Verfolgung mehr auszumachen, aber wer weiss, vielleicht waren ja einige schon näher dran, als man es sich erhofft …
Deswegen trat ich auch in der letzten Runde noch ich in die Pedale, was die Beine hergaben. Das ganze war dann aber doch eher Ergebniskosmetik, denn die Verfolger waren wohl ca. 3,5 Minuten distanziert, als ich ziemlich ausgepumpt über den Zielstrich rollte.

Dementsprechend gestalteten sich im Nachspiel die Kommentare: „Ich hätte mich kaputtgefahren“ u.s.w. lauteten die Kommentare derer, die ich gerne in einer organisierten Fluchtgruppe dabeigehabt hätte. Also war der Sieg wohl wenig strittig und meine Art, ihn herauszufahren, vielleicht dominant, in jedem Fall aber für mich anstrengender, gleichzeitig aber auch befriedigender, als wenn ich nur in der letzten Runde eine entscheidende Attacke gesetzt hätte. Der Zeitabstand zu meinen Verfolgern war am Ende knapp 4 min, so dass der Streckensprecher das Interview auch gleich vorzog … ;)

Fazit: eine sehr nette, familiäre Atmosphäre; keine Harakiri-Aktionen in den Fahrergruppen und somit ein risikoarmes Rennen, bei dem sich das Ausbelasten gut lohnte. Ein Rosenbäumchen samt Pokal und Flechtbütten zur Pflanz-Deko, ein Skatblatt und ein Probefahrt-Angebot bei einem Oschatzer BMW-Händler war der Lohn der Mühe. Der dritte Platz von Chrissi bei den Damen und die leidige aber dennoch mehr als respektable (!!!) Holzmedaille für Cotopaxi rundeten das Bild ebenso ab, wie die persönlichen Erfolge für Schum und Zoro, die in jeweils guten Gruppen das Ziel erreichten. Das Endergebnis von +1 hätte angesichts der zuvor beobachteten Zieldurchfahrten mit Martins super-Position noch besser erhofft werden können, aber die Hitze forderte vielleicht ihren Tribut …
Zuletzt geändert von mi67 am Di 7. Sep 2010, 22:53, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Rund um das Rosendreieck, 22.08. 2010

Beitrag von zoro » So 22. Aug 2010, 19:58

Jo, als die Gruppe ging war ich mit Schum irgendwo vorne drin bei den Verfolgern, aber als Cotopaxi an uns vorbeischoss und das Loch zufuhr, war leider nix drin mit nachspringen.
Bin dann noch mit dem Rad nach Hause, immer schön Gegenwind...jetzt reicht es erst mal!
Glückwunsch an mi67 für den Sieg, aber auch Cotopaxi mit einem knapp verfehlten Podestplatz war gut drauf!
Viele Grüße

René

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Re: Rund um das Rosendreieck, 22.08. 2010

Beitrag von Chrissi » So 22. Aug 2010, 20:23

mi67 hat geschrieben:ein Skatblat
Ich wette, dass kommt nicht an mein Skatblatt heran, dass ich gestern in Altenburg gewonnen habe. Das ist nämlich eine Spezialausgabe "Boys" :lol:
mi67 hat geschrieben: Das Endergebnis von +1 hätte angesichts der zuvor beobachteten Zieldurchfahrten mit Martins super-Position noch besser erhofft werden können, aber die Hitze forderte vielleicht ihren Tribut …
Könnte auch am Kriterium in Altenburg gestern gelegen haben... Die Männer sind erst gegen 23:15 Uhr auf ihre 60 Runden gestartet. Wann +1 da zu hause war, kann man sich da ja denken...


@cotopaxi: Glückwunsch zur Holzmedaille
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Re: Rund um das Rosendreieck, 22.08. 2010

Beitrag von mi67 » So 22. Aug 2010, 20:45

Chrissi hat geschrieben:Könnte auch am Kriterium in Altenburg gestern gelegen haben...
Ihr seid ja auch die echt Verrückten. Nach einem Wenzels-Kriterium am Vorabend wäre ich heute nur in der Disziplin "Hängematte-Wettliegen" Sieger gewesen! :D
@cotopaxi: Glückwunsch zur Holzmedaille
Absolut, denn in der "Elite"-Wertung war im Leistungsniveau wirklich Musik geboten!
Zuletzt geändert von mi67 am Mo 23. Aug 2010, 10:26, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Rund um das Rosendreieck, 22.08. 2010

Beitrag von mi67 » So 22. Aug 2010, 20:50

Noch ein Paar Bilder ...
Dateianhänge
7257.jpg
Start in der Klasse 40-60 Jahre ...
7259.jpg
Der Moment des Lösens am Ende der 2. Runde
7268.jpg
Chrissies Dritter - wer weiss, was im Damenrennen noch möglich gewesen wäre ....
7273.jpg
Senioren-Wertung ....
7278.jpg
Alle Podestplätze in der Zusammenschau
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Re: Rund um das Rosendreieck, 22.08. 2010

Beitrag von Chrissi » So 22. Aug 2010, 20:58

mi67 hat geschrieben:
Chrissi hat geschrieben:Könnte auch am Kriterium in Altenburg gestern gelegen haben...
Ichr seid ja auch die echt Verrückten. Nach einem Wenzels-Kriterium am Vorabend wäre ich heute nur in der Disziplin "Hängematte-Wettliegen" Sieger gewesen! :D

Na ja. Das war quasi die Generalprobe für das kommende Wochenende. Da gehts für drei Radrennen nach NRW. :)
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Re: Rund um das Rosendreieck, 22.08. 2010

Beitrag von Cotopaxi » Mo 23. Aug 2010, 10:35

Und hier ein kurzer Rueckblick auf mein Erlebtes, bin noch mit der Aufarbeitung der Niederlage beschaeftig :(
Rotweingeschaedigt und leicht uebermuedet rollte ich gen Thalheim, still hoffte ich am UE40 Rennen teilnehmen zu duerfen, da geht es im Allgemeinen ruhiger zu und die Sturzgefahr ist geringer.
Aber nein, ich durfte als Pelotonaeltester bei den jungen Wilden ran. Ich war mir sicher, dass mich die Jungschen aus den Latschen fahren wuerden.
Schon auf der ersten Runde wurde ein Ausreisversuch initiert, ich mit hinterher, wir waren nur zu dritt , kamen aber nicht so richtig weg. Zu Beginn der 2. Runden wurden wir zurueck assimiliert. Ich brav hinten eingeordnet, durchgeatmet und die 2.Runde mit viel Aufmerksamkeit mitgerollt. Wann und wo der naechste Ausreissversuch startete hab ich leider nicht sehen koennen, ich sah nur vorne ein paar Leute gehen, ein Luecke tat sich auf und die Koerpersprache der direkten Verfolger sah nicht vertrauenserweckend aus. Bin also von ganz hinten durchgestartet, am Feld vorbei und erreichte mit wenig Muehe die Hinterraeder der Ausreisser. Nix mit Erholung, ziemlich rabiat wurde die Gruppe vom SC Riesa durchorganisiert und mit Anschlag haben wir einen sicheren Vorsprung rausgefahren. Runde 4 konnte etwas ruhiger gefahren werden und am Ende der Gegenwindpassage von Runde 5 wurde es dann ernst. Ich wusste ja was kommen wuerde, die beiden SC Riesa Fahrer hatten natuerlich die besseren Karten in der Hand, der Juengere zog mit einem brachialen Antritt an, sein Kollege nahm ein paar Umdrehungen raus um eine Luecke zu bauen. Ein Mitstreiter konnte sofort mitgehen das fuehrende Hinterrad halten. Ich am zweiten Riesamann vorbei und Vollgas hinterher, die Uhr zeigte 58km/h und die Luecke zu meinen beiden vorderen Kontrahenten wurde immer groesser. :o Aber nicht mit mir! Ich dachte, ueber 60Sachen koennen die nicht ewig treten. Nach ein paar hundert Metern war ich aber fast wieder ran und das Drama begann. Im Bereich dieser rechts-links-Kombination fehlten vlt. 5 Meter, ich war natuerlich blau und voll im Delirium, alle Lampen leuchteten hellrot, aber anstatt einfach nur beherzt und mit Entschlossenheit das Hinterrad entgueltig zu erreichen, fing mein Verstand an zu arbeiten und zu ueberlegen. Ich dachte mir, jetzt biste fast ran, ich fuehle doch schon fast den Windschattten, so langsam wie die davorn fahren, kannste Druck rausnehmen und faehrst etwas langsamer ran, da kann ich mich schon beim ranrollen etwas erholen...
Denkste! Was fuer ein Unsinn!!! :wand: Augenblicke spaeter zogen die beiden vor mir nochmal an, ich aus dem Sattel und ... platzte. Es waren nur noch 1000Meter bis ins Ziel, ich allein an dritter Position 30m hinter mir das "Tretschwein" vom SV Riesa. Er wusste genau die Situation zu deuten, wie auf einem Praesentierteller fuhr ich geplatzt vor ihm daher, das musste ihn ja richtig motivieren.
Exakt an der vorletzten Kurve setzte er sich vor mich, aber da war der Bonbon bereits gelutscht, denn der Streckenverlauf liess keine vernuenftige Gegenwehr mehr zu. Auf den letzten Metern ins Ziel versuchte ich mit einem verzweifelten Schlusssprint ihn zu uebertoelpeln, aber er konnte ein halbe Radlaenge uber den Zielstrich retten...
Die Moral von der Geschicht?! Doch mal einen Ortschildsprint fahren oder akzeptieren, das ich als 40Jaehriger Hobbyplinsen gegen gelernte Junghuepfer weniger Chancen habe.
Naja, naechstes Jahr wird alles anders, wenn ich lieb bin, darf ich mich bestimmt an das Hinterrad von mi67 heften...

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Re: Rund um das Rosendreieck, 22.08. 2010

Beitrag von bergfloh » Mo 23. Aug 2010, 11:35

:D Du bist ein Held!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! :hut: :hut: :hut:

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Re: Rund um das Rosendreieck, 22.08. 2010

Beitrag von dieoase » Mo 23. Aug 2010, 11:40

zu altenburg,krankhafte aktion dort mit den ballons.
worum es eigentlich dort ging, radrennen oder eher zuschauen, wie einige krankhaft versuchten gas in ihre ballons, begleitet von einer durchaus zulauten geblärre aus cd-konserve zu blasen, war schon oft unklar. :schnarch:
ebenfalls meinen glückwunsch an cotopaxi, toller bericht.
"Radsport ist die beste Kommunikationsform überhaupt. Es gibt nichts Vergleichbares. Es ist egal, ob Doping drin ist oder nicht!"

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Re: Rund um das Rosendreieck, 22.08. 2010

Beitrag von Chrissi » Mo 23. Aug 2010, 12:40

Mein Preis war übrigens eine Piccolo-Flasche Sekt, ein Windlicht mit Muscheln, je eine kleine Flasche Schaumbad und Entspannungsöl sowie ein Gutschein für eine Entspannungsmassage in Oschatz... mal sehen, wie ich den einlösen werde. Wenn ich mit dem Rad hinfahre bin ich ja in Leipzig dann schon wieder verspannt :lol:
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