Sonntag 24.9.2006
Ein Wendepunkt bzw. ?Höhepunkt?des Urlaubs. Nicht nur weil Halbzeit vorbei war sondern auch in anderer Hinsicht. Dazu später mehr.
Unsere Gastgeber wollten von Innsbruck aus noch mal wandern aber die Räder umsonst mitnehmen?! Nö das war nicht drin. Wir konnten dann die Verschiebung des Wanderungstermins auf einen späteren Besuch aushandeln und widmeten uns nach einem ausgiebigen Frühstück der Streckenplanung.
Eigentlich war geplant den bei der Deutschland-Tour als Schlussberg gefahrenen Anstieg von Mösern nach Seefeld mit einzubauen. Schließlich blieb es aber doch bei der Überquerung des Kühtaisattels von Oetz aus.
Allerdings etwas anders als geplant...
Von Mötz aus beginnt es mit einer 15km langen und sanft ansteigenden Anfahrt inïs Oetztal und da im speziellen in den namensgebenden Hauptort Oetz.
Auf ca. 800m geht es in den knapp 18km langen Anstieg zum Kühtaisattel. Im Jahr zuvor waren wir von einer Seitenflanke hochgefahren die auch gern dort als kleiner Mortirolo bezeichnet wird.
Diese Seite war nun nicht ganz so steil, hatte jedoch auf den ersten 8,5km auch eine mittlere Steigung von um die 8%.
Es lief sehr gut.
Der Erholungstag hatte gut getan und ich war zuversichtlich für den Rest der Strecke. Nach einem Flachstück kam noch mal ein 600m-Abschnitt mit 15%, doch die letzten 5km bis hoch auf 2.020m waren bei wiederum sonnigen Wetter eine lockere Trainingsfahrt. Zumindest fühlte ich mich so.
Oben angekommen war es viel wärmer als Ende Mai des Vorjahres wo bei 8-9ø und Nieselregen die Verweildauer aufïs nötigste beschränkt wurde.
Dieses Mal ein schönes Picknick an einem Brunnen, etwas Pigmente haschen und nach bestimmt einer halben Stunde Aufenthalt begaben wir uns auf die 26km lange Abfahrt nach Kematen. Von da aus sollte es auf ruhigen Straßen über die Dörfer auf ca. 50km Weg zurück nach Mötz gehen.
Die Abfahrt beginnt mit einer ausreichend breiten Straße und langen Geraden, so dass man auch bei entsprechendem Gefälle schnell an Höhe verliert.
Vielleicht 10km waren schon vorbei und wir wieder unter 1.400m, man berauschte sich an der Geschwindigkeit und genoss den wenigen Verkehr an diesem Tag.
Ein langgezogene Kurve mit einer Kuppe sowie Warnschild mit Hinweis auf einen 16%-Abschnitt und die Erinnerung an letztes Jahr das danach eine schlecht einzusehende Kurve folgt, hätten eigentlich Vorsicht walten lassen sollen aber nach knapp 100m war die Fahrt dann abrupt zu Ende.
Ich muss zugeben ich weiß nicht 100% wodurch es passiert ist. Ob etwas auf der Straße lag oder es eine der Rinnen vom Schmelzwasser gewesen ist. Na jedenfalls gab es bei schätzungsweise 70 km/h einen Schlag im Hinterrad und die Felge war sofort breit, so dass das Rad blockierte.
Leider habe ich den Elchtest nicht bestanden, das Rad schaukelte sich immer mehr auf und ich flog nach einigen Metern bei vielleicht noch Tempo 50 in einem Salto über den Lenker.
Meine Freundin musste hilflos mit anschauen und flog auch noch, zum Glück glimpflich ausgehend, über mein über die Straße rutschendes Rad.
Die Landung halb auf dem unteren Rücken und der rechten Seite sowie ein kurzes Aufsetzen mit dem helmbewährten Hinterkopf auf dem Asphalt.
Ich muss zugeben das schlimmste war der Schock aber nach kurzem Systemcheck fehlte mir zum Glück nichts gravierendes. Anwohner hatten den Abflug verfolgt und kamen bestürzt angerannt. Die anfängliche Benommenheit wich allmählich und nun kam auch der Schmerz.
Wies es natürlich immer ist ignoriert man den soweit es geht und die erste Sorge galt natürlich dem Material.
An ein Weiterfahren war nicht zu denken und nach einer Erstversorgung mit Wundspray und etwas zu trinken brachte uns ein netter Zeitgenosse mit seinem Transporter freundlicherweise inkl. der Räder bis zurück nach Mötz. Er wollte mich zuerst zu einem Arzt bringen aber ich entschied dagegen auch wenn das vielleicht etwas leichtsinnig war.
Wir hatten zwar schon unsere Bekannten angerufen aber diese wären erst über 2h später eingetroffen. Zurück in Mötz quälte ich mich dann aus dem Bus und es sah so aus, dass der Urlaub vorbei wäre.
Nach dem Auswaschen der Wunden wurde der Sanikasten aus dem Auto geplündert.
Eigentlich wollten wir am frühen Abend noch zurück nach Italien, aber nun entschieden wir noch zu übernachten und am folgenden Tag eine Radhändler in der Nähe aufzusuchen.
Ich brauch nicht zu schildern wie ich die nun folgende(n) Nächte mehr schlecht als recht verbracht habe.
Positive Bilanz
45km bei 1.368Hm
Negative Bilanz
persönlich: 2 große und blutige Schürfwunden am unteren Rücken sowie starke Prellungen im Rückenbereich, eine offene Wunde am oberen Ende der Adduktoren was sich nachteilig auf die Sitzposition erweisen sollte, offenes rechtes Knie, offene Stelle an der rechten Hand sowie Ellenbogen, eine dicke Beule vom Aufsetzen mit dem Hinterkopf, dazu eine posttraumatische Geschichte die nach dem Urlaub herauskam und mich noch einige Wochen beschäftigt hat
meine Freundin trug einige Schürfwunden und Prellungen davon
materiell: deformiertes Vorder- und Hinterrad, verbogenes Schaltauge, zerstörter Sattel, kaputte Trinkflaschenhalter, verbogener Vorbau mit kaputtem Lenkerband und deformierten STIïs sowie zerkratzter Rahmen und Pedale, vom CM436M zum Glück nur das Display zerkratzt
die blutigen, zerrissenen Trägerhosen hab ich als Mahnmal aufgehoben, Beinlinge zerstört, Helmriemen abgerissen und Halterung zerstört
und nicht zuletzt die zerbrochene Sonnenbrille, als Brillenträger besonders ärgerlich
Die ich ja aber bereits von Gavia, Kaunertaler Gletscher und Mortirolo geschrieben habe gingïs ja doch noch irgendwie weiter.
