Kein Abschluß...

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Re: Kein Abschluß...

Beitrag von Floeri » Di 4. Mai 2010, 15:28

mi67 hat geschrieben:Bin ja selber eher auf der "scharfen Seite", aber der Fall Pechstein zeigt: es sollte zumindest bei der Indizienbeweisführung ein Restmisstrauen auch gegenüber dem Verfahren als solchem geäussert werden. Zumindest die Aussage "des Dopings überführt" sollte m.E. nur dann Anwendung finden, wenn auch tatsächlich die Dopingsubstanz als solche nachgewiesen werden konnte. Auffällige Blutwerte mögen in der Mehrzahl der Fälle Ausdruck eines (gut kaschierten) Dopings sein, aber die Beweiskraft ist nun mal keine absolute. Der nette Begriff der "Schutzsperre" ist da schon sehr fein gewählt.
Ach :D :ohnmacht: , die gute Frau kann wirklich nichts dafür, dass Ihre Werte genau an den Renntagen so hoch waren. DAs ist "wirklich" eine "Krankheit" und krank zu glauben, dass die Frau jemals clean war :denk:

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Re: Kein Abschluß...

Beitrag von Frank » Di 4. Mai 2010, 16:12

Floeri hat geschrieben:
mi67 hat geschrieben:Bin ja selber eher auf der "scharfen Seite", aber der Fall Pechstein zeigt: es sollte zumindest bei der Indizienbeweisführung ein Restmisstrauen auch gegenüber dem Verfahren als solchem geäussert werden. Zumindest die Aussage "des Dopings überführt" sollte m.E. nur dann Anwendung finden, wenn auch tatsächlich die Dopingsubstanz als solche nachgewiesen werden konnte. Auffällige Blutwerte mögen in der Mehrzahl der Fälle Ausdruck eines (gut kaschierten) Dopings sein, aber die Beweiskraft ist nun mal keine absolute. Der nette Begriff der "Schutzsperre" ist da schon sehr fein gewählt.
Ach :D :ohnmacht: , die gute Frau kann wirklich nichts dafür, dass Ihre Werte genau an den Renntagen so hoch waren. DAs ist "wirklich" eine "Krankheit" und krank zu glauben, dass die Frau jemals clean war :denk:
wie man hier sehr schön sehen kann: http://www.claudia-pechstein.de/doping/Arzt-Tabelle.pdf
letzte Seite, in Hamar, Retikulozyten immer über 3 sonst zwischen 1 und 2 :gruebel:

es ist doch klar, dass man als Athlet zunächst die Messverfahren anzweifelt, das ist legitim, das haben viele andere davor auch getan, die es nicht wahrhaben wollten (Herr Landis, nur als Beispiel); Autofahrern, die geblitzt wurden, wird ja auch empfohlen, die Genauigkeit des Blitzgeräts anzuzweifeln
unser Labor nimmt regelmäßig an externen Qualitätsicherungen teil, daher würde ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit behaupten, dass die Befunde, die wir rausgeben, korrekt sind
Fehler passieren überall, davor ist niemand geschützt, aber passieren diese Fehler immer nur, wenn berühmte Sportler getestet werden???
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Re: Kein Abschluß...

Beitrag von mi67 » Di 4. Mai 2010, 20:12

Frank hat geschrieben:es ist doch klar, dass man als Athlet zunächst die Messverfahren anzweifelt, das ist legitim, das haben viele andere davor auch getan, die es nicht wahrhaben wollten (Herr Landis, nur als Beispiel); Autofahrern, die geblitzt wurden, wird ja auch empfohlen, die Genauigkeit des Blitzgeräts anzuzweifeln
unser Labor nimmt regelmäßig an externen Qualitätsicherungen teil, daher würde ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit behaupten, dass die Befunde, die wir rausgeben, korrekt sind
Fehler passieren überall, davor ist niemand geschützt, aber passieren diese Fehler immer nur, wenn berühmte Sportler getestet werden???
1. habe ich nicht den Blickwinkel des Sportlers eingenommen.
2. habe ich nicht Laborwerte bezweifelt, denn falls sie seltsam ausfallen, so gibt es dafür ja die B-Probe.
Vielmehr habe ich einen Restzweifel empfohlen, wenn nicht der Stoff nachgewiesen wird, der illegal eingenommen bzw. verabreicht wurde, sondern wenn Be- und Verurteilungen auf Indizien und Wahrscheinlichkeiten beruhen müssen.
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Re: Kein Abschluß...

Beitrag von Frank » Di 4. Mai 2010, 20:50

mi67 hat geschrieben: 1. habe ich nicht den Blickwinkel des Sportlers eingenommen.
du hast den Fall Pechstein angesprochen, ich habe meine Meinung (zu Frau Pechstein) gesagt - mir liegt es fern, dir zu unterstellen, dass du den Blickwinkel des Sportlers einnimmst ;)
es steht jedem (in diesem Falle) Sportler frei, die Messverfahren im Allgemeinen und die Messwerte im Speziellen zu hinterfragen
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Re: Kein Abschluß...

Beitrag von Floeri » Di 4. Mai 2010, 21:28

Aber EisschnellläuferInnen werden auch sehr viel weniger überprüft, als andere Sportler aus anderen -Arten. Es ist interessant, dass hier bei dieser Frau eine Genkrankheit angenommen wird, die nur bei Großereignissen in Erscheinung tritt, bzw. auftritt. So eine Krankheit wünscht sich jeder Sportler, der mit seiner Muskelkraft sein Geld verdient, denn so kann er genau und punktuell seine besten Möglichkeiten ausschöpfen.
Ich finde es erbärmlich, wie die Frau versucht, Ihre nicht nachzuweisenden Dopinggeschichten damit zu vertuschen. Aber solange dieses Mittelchen nicht nachzuweisen ist, muss dann halt der Indizienbeweis herangezogen werden. So eindeutig, wie hier die Indizien gegen diese Frau stehen, bleibt da meineserachtens keine andere Möglichkeit, als dieses Urteil zu sprechen. Ansonsten können die Sportler, die die anderen erfolgreich verarschen weiterhin ihr Unwesen treiben und wir glauben dann auch noch an diese Krankheitsmär :D

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Re: Kein Abschluß...

Beitrag von mi67 » Mi 5. Mai 2010, 09:03

Floeri hat geschrieben:Aber EisschnellläuferInnen werden auch sehr viel weniger überprüft, als andere Sportler aus anderen -Arten.
Ja, sind die noch öfter zum Bluttest geladen, als 10x pro Saison?

Sicherlich bekannt, aber immer wieder gut:
http://www.n-tv.de/sport/Alle-Bodybuild ... 90034.html
http://www.timesonline.co.uk/tol/sport/ ... 321769.ece
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Re: Kein Abschluß...

Beitrag von Floeri » Mi 5. Mai 2010, 10:29

:D Das nenne ich Volltreffer. Die Wochen danach im Sportstudio waren schon amüsant, wenn ich als Kontrolleur in Erscheinung getreten bin :rotfl: ....mit diesen Berichten in den Händen als Erkennungsmarke.

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Re: Kein Abschluß...

Beitrag von peso » Mi 5. Mai 2010, 11:33

Zum Fall Pechstein habe ich ich mir unter anderem die kompletten Diskussionen bei Jens Weinreich und im Tourforum durchgelesen, in denen auch Gassmann und Co. ihren Standpunkt artikulieren.

Danach präsentiert sich die Sache, wie meist, ziemlich unübersichtlich. :raetsel:
Reißbrett 2016

"Ich bin in diesem Jahr auf noch keiner Ausfahrt schneller als 24 km/h im Schnitt gewesen." (Anonymer Radfahrer, 2005)

"Treffpunkt ist jedenfalls 05:30 an der Uniklinik." (Good old Times)

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Re: Kein Abschluß...

Beitrag von mi67 » Mi 5. Mai 2010, 12:13

peso hat geschrieben:Danach präsentiert sich die Sache, wie meist, ziemlich unübersichtlich. :raetsel:
Sie präsentiert sich ebenso unübersichtlich, wenn man sich zusätzlich noch die divergierenden Meinungen deutscher Lehrstuhlinhaber Hämatologischer Institute reinzieht.

Wie halt fast immer bei Indizien: neben den belastenden Indizien gibt es auch entlastende. An den Gerichten liegt es dann, ohne eigenes Fachwissen die "Beweiskraft" dieser be- und entlastenden Indizien einschätzen und würdigen zu sollen. Das ganze dann auch noch unter einem enormen Druck verschiedenster Interessenvertreter, der Öffentlichkeit und der Medien. Wie bei diesem Pot Belge am Ende noch ein klares Wässerlein als Urteilsspruch entstehen soll, dürfte die Destillationsleistung der Sportgerichte auf eine harte Probe stellen.
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Re: Kein Abschluß...

Beitrag von peso » Mi 5. Mai 2010, 13:37

mi67 hat geschrieben:An den Gerichten liegt es dann, ohne eigenes Fachwissen die "Beweiskraft" dieser be- und entlastenden Indizien einschätzen und würdigen zu sollen.
Ich muß ganz ehrlich zugeben, daß sich die Diskussion vor allem bei Weinreich mitunter auf einem fachlichen Niveau bewegt, dem ich schlicht nicht folgen kann bzw. auf dem ich die Argumente kaum noch auf ihre Plausibilität hin einschätzen kann. Mich hat, nur als Beispiel, ziemlich überzeugt, daß die Abweichungen bei der Bestimmung der Retikulozyten zwischen den Geräten desselben Herstellers so groß sein können, daß, legt man das Spektrum dieser Abweichung nur zugunsten von Frau Pechstein aus, sich ihre Werte gerade noch so im Normalkorridor bewegen.

Allerdings habe ich auch den Eindruck, daß Frau Pechstein mit beauftragten / befreundeten "Experten" in den diversen Internetforen das Meinungspendel ganz gezielt in ihren Richtung ausschlagen läßt...oder es zumindest versucht.
Reißbrett 2016

"Ich bin in diesem Jahr auf noch keiner Ausfahrt schneller als 24 km/h im Schnitt gewesen." (Anonymer Radfahrer, 2005)

"Treffpunkt ist jedenfalls 05:30 an der Uniklinik." (Good old Times)

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